Mittwoch, 3. März 2010

Bombe die 2.

Na gut, so richtig viel weniger Eindrücke werden es nicht. Ich bombardiere euch weiter. Aber keine Angst, das kann nicht lange so weitergehen. Ich brauche ja auch immer so 1, 2, 3 Stunden um den ganzen Scheiß aufzuschreiben. Und bald werde ich dafür vermutlich keine Zeit mehr haben, weil ich vereinnahmt werde von der Uni und von Otgoo, ja, wahrscheinlich fast mehr von letzterem.

Gestern waren wir im bei der Uni-Visa-Frau, die Dinge sehen so aus: Um mein Touri-Visum in ein ordentliches Studenten-Visum umzuwandeln, müsste ich in die nächstgelegene mongolische Botschaft im Ausland, also nach China. Mein Touri-Visum touri-mäßig zu verlängern, ist nicht so das Problem (obwohl das offiziell auch nur 1 Monat verlängerbar ist), aber dann läuft das Praktikum so ein bisschen semi-illegal, weil die Uni dann nicht offiziell für mich zuständig ist. Aber da wir keinerlei finanzielle oder andere Verbindungen haben und im Grunde niemand „weiß“ dass ich hier bin, ist es denen auch wurscht. Also muss ich nicht nach China, das ist auch ganz ok.

Mittags war ich dann bei einer Art Seminar, eigentlich war das für mongolische Bibliothekare und Lehrer oder so; organisiert vom Goetheinstituts-Verbindungsbüro hier in UB und gehalten von einer Professorin aus Hamburg. Daher mit Dolmetscher. Es ging um Illustrationen in Kinderbüchern und um Leseförderung und so. War jetzt nicht unbedingt mein Thema, aber um mal so einen Eindruck zu kriegen, wie die internationale Zusammenarbeit bei so etwas läuft, war es schon interessant. Als dann Arbeitsgruppen gebildet wurden, die sich zusammen was überlegen sollten, bin ich aber gegangen, denn so weit reicht mein mongolisch noch nicht.

Ich habe noch keinen Schlüssel und zuhause war niemand da, deshalb musste ich mich erst noch ein bisschen rumtreiben. Da bin ich dann aber auch gleich mal in eine Gegend geraten, aus der ich dann schnell wieder geflüchtet bin. Da hörten die Bürgersteige auf, Menschen haben in Mülltüten gewühlt und zwei Männer haben mich angesprochen, aber auf eine Art, dass ich nicht den Eindruck hatte, die wollen meine Freunde werden. Schnell wieder in die andere Richtung und erstmal irgendwo eingekehrt. Zu meiner Schande muss ich gestehen, dass ich mich noch nicht so richtig traue, in rein mongolisch aussehende Läden zu gehen, weil ich noch überhaupt nicht verstehe, was da drin auf mich warten könnte. Schaufenster oder so gibt es nur ansatzsweise, und ich kann kein Wort sagen, also – halte ich mich noch zurück mit dem Erforschen der Butzen und Läden, die es hier so gibt. Und gestern bin ich schändlicherweise dann auch bei einem Burger-Laden eingekehrt, der American irgendwas hieß und bei dem man von außen sehen konnte, wie es innen aussieht. Drin wurde ich sofort auf englisch begrüßt, von einem Mongolen, der bestimmt mal eine Zeit in den USA oder so gelebt hat; das hat man gehört. Auf der Speisekarte bedankte sich sein gesamtes Team bei allen Volunteers, die nach UB kommen und ihre Zeit, ihre Arbeitskraft und auch ihr Geld hier investieren, und wer beweist dass er Volunteer ist, kriegt 10% Rabatt. So ganz falsch war ich also auch nicht. Und ich habe dann auch keinen Burger gegessen, sondern turkish goulash.

Tja, und heute... ging’s los. Auch mit Fotos!

Das habe ich bei Otgoo im Auto gefunden. Weltstars unter sich.



Zuerst ging es heute ins Gandan-Kloster; das ist ein buddhistisches Kloster, das das größte Heiligtum der Mongolei beherbergt, nämlich eine goldene Buddha-Statue.


Ich erspare euch fast alles, was ich schon darüber weiß. Zum Beispiel, dass die Original-Buddha-Statue zu Beginn der Sowjetzeit nach Leningrad verschleppt und zu Gewehrkugeln verarbeitet wurde. Und dass damals fast 40.000 Mönche von der mongolischen Regierung umgebracht worden sind. Und dass nach dem Ende der Sowjetzeit Anfang der 90er, als wieder Religionsfreiheit herrschte, die Mongolen freiwillig eine irre Summe gesammelt haben, um ihren viele Meter hohen Buddha wieder aufzustellen. Und dass er innen hohl und mit Heilkräutern gefüllt ist, mit echtem Gold bestrichen und ... ähh, ja. Sowas erspare ich euch.


Der Eintritt ist frei, aber fürs Fotografieren soll man sonst zahlen. Da kam auch gleich ein Mönch an und fragte, ob ich schon bezahlt hätte. Aber Otgoo hat ihn sofort ein bisschen zur Schnecke gemacht und ihm gesagt, er würde sich schämen, mir so etwas zu sagen. Das sei Buddhismus und Buddhismus ist für alle da, und überhaupt bezahlen Touristen schon genug, wenn sie in dieses Land kommen, und er schämt sich wirklich, wenn die Touristen dann auch noch so ausgebeutet werden. Naja, ich habe dann gesagt, ich habe eine Freundin, die grade in Indien ist, und bei der ist das alles noch viel schlimmer ;)

Dann haben wir ein paar Gebetsmühlen gedreht, damit alle Gestorbenen, deren Familien hier gespendet haben, noch viele Jahre weiter leben. Ach was sage ich, ein paar; wir haben eigentlich alle Gebetsmühlen gedreht, die in dem Tempel waren. Und weil es ja ungefähr -15° sind, waren die ganz schön kalt, und weil es lange gedauert hat, sind meine Finger leicht eingefroren dabei. Aber es war ja für einen guten Zweck.

Und dann sind wir in eine Mönchsschule gegangen. An dieser Stelle ein Begeisterungsschrei darüber, wie cool das ist, dass Otgoo so mit mir unterwegs ist. Da durfte man nämlich sicher nicht einfach so rein. Das war ein großer Raum mit 6 oder 8 langen Bänken, vor denen junge Mönche saßen und auf tibetisch Texte gelesen haben, alle zusammen. Das ganze klang eigentlich wie ein Gesang. Otgoo musste auch erst fragen, aber dann durften wir da reingehen, uns kurz hinsetzen und zusehen, die Mönche umrunden, und sogar ein paar Fotos machen. Die sind leider nicht so gut geworden, meine Kamera ist irgendwie kacke in Innenräumen. Aber es war so cool!


Tja, bevor das hier ausartet, kürze ich ab. Nach dem Kloster sind wir ins Reichenviertel gefahren, im Süden von Ulan Bator, und da erstmal zu einer Privat-Uni, deren Rektorin Otgoo kennt und in deren Büro er mich geschleppt hat, um mich vorzustellen oder was weiß ich. So ganz hat sich der Sinn unseres Besuches nicht erschlossen. Er hat jedenfalls auch noch Geld bekommen, für einen Werbefilm, den er für die Uni schon gedreht hat – darüber kennt er eben auch die Frau Rektorin. Das Reichenviertel liegt im Süden der Stadt, schon direkt an dem angrenzenden Berg und Naturschutzgebiet. Und von dort hat man einen tollen Blick auf ganz Ulan Bator.



Auf dem großen Bild sieht man sehr gut im Vordergrund, im Süden, die Reichenviertel. Hier gibt es nagelneue Hochhäuser mit schicken Wohnungen und auch ein paar Einfamilienhäuser und Villen. Dahinter in der Mitte das Zentrum der Stadt, wo die Mittelschicht lebt – und dahinter, an die Berghänge im Norden geklebt, erkennt man die Jurtenviertel. Die sind riesig, Otgoo sagt mehr etwa 60% der Menschen in Ulan Bator leben dort. In Barackenvierteln, mit Holzzäunen abgeteilt, in kleinen Hütten und eben auch Jurten. Da gibt es keine asphaltierten Straßen und kein fließendes Wasser – das holen die Menschen an einer Pumpstation. Die Jurtenviertel fangen auch ganz in der Nähe von meiner Wohnung an, das Zentrum ist eigentlich gar nicht sooo groß. Ich versteh nicht so richtig, wie in diese Stadt 1 Million Menschen passen sollen. Aber wahrscheinlich wohnt man eben überall so eng wie in dieser Familie - mindestens. Wen es interessiert, dem empfehle ich Google Maps oder Google Earth – da kann man die Jurtenviertel genau erkennen und sieht auch, wie groß die sind.

Hier geht es rein in die Jurtenviertel. Auf der anderen Straßenseite stehen Hochhäuser, Supermärkte, und 500 Meter entfernt wohne ich.



Ok, next stop: c1 television. Bei diesem Sender arbeitet Otgoos Freundin, wie gesagt ihres Zeichens beliebte Moderatorin, und ich bekam eine etwa 10minütige Expressführung durch das Sendergebäude. Von den Büros der Nachrichtenredakteure über Maske und Kostümraum, Tonraum und großes Studio habe ich in jedes Zimmer kurz reinschauen dürfen, in Begleitung einer Übersetzerin, denn Otgoos Freundin kann kein Englisch und er selbst hat draußen im Wagen gewartet. Und dann kamen wir ins Studio für die Late-Night-Show, die Sportshow und eine Kindersendung und noch was weiß ich was, und da wurde schnell ein Beweisfoto gemacht.



Ja, und dann musste ich zur Uni, zur ersten Hospitation. Vorher hatte ich aber noch eine Viertelstunde Zeit und habe auf dem Sukhbaatar-Platz ein bisschen rumfotografiert. Hier seht ihr große Regierungsgebäude, bzw. das Parlamentsgebäude - die Mongolei ist eine parlamentarische Demokratie, quasi Asiens Vorzeige-Demokratie. Korruption gibt's aber trotzdem en masse, Otgoo schimpft jeden Tag. Da gehen wir übrigens auch bald mal rein, gucken. Dafür muss ich mir allerdings erst ordentliche Klamotten kaufen, ich habe nichts halbwegs schickes mit, und in Jeans kommt man nicht rein. Keine Ahnung, was ich mir eigentlich beim Koffer packen gedacht habe.



Am Eingang steht ein riesiger Dschinghis Khan.
...ganz ehrlich, wenn der SO aussah, wie konnte den denn ein kleines Mongolenpferdchen zur Erorberung von halb Asien tragen? (Ich weiß noch gar nicht, wie schlimm es ist, böde über Dschinghis Khan zu reden. Er ist schon so ein bisschen ein krasser Typ hier.)


Dann ging es in die Uni. Dem DAAD-Lektor Detlef erzählte ich von meinen Touren und meinem leichten Overflow-Gefühl, und er packte dann noch eins drauf. Ob ich vielleicht am 20. März bei der Bildungsmesse einen kleinen Powerpoint-Vortrag über mein Studentenleben in Leipzig halten kann. Da kommen Schüler und Studenten mit Mama und Papa und informieren sich über die Möglichkeiten, in Deutschland zu studieren, über Stipendien und wie es da überhaupt so ist. Habe natürlich zugesagt und werde dann wohl mal ein paar aussagekräftige Fotos aus der Oststraße raussuchen. Hähähä!


Dann ging’s los mit hospitieren, im vierten Studienjahr. Die anderen Seminare, die ich machen werde, sind eher Sprachpraxis, also Konversation und so; aber hier geht es ums schreiben, es sollen vor allem praktische schriftliche Übungen gemacht werden. Heute: Bewerbung, Lebenslauf. Ich soll auch gar nicht lange zugucken, sondern bald selber loslegen. Mal sehen. Die Studenten waren sehr nett und lustig und aufgeschlossen, das wird bestimmt Spaß machen.
Ja – und zurück im Büro das nächste: Liebe Katharina, wir haben da noch so ein TestDAF-Seminar, das sind Studenten aller möglicher Fächer, die bald diese Einstufungstest für Deutsch machen wollen. Die würden auch gerne mal mit einem Muttersprachler arbeiten. Ob ich da vielleicht zusätzlich sogar bezahlt eine Doppel-Doppelstunde, also 3 echte Zeitstunden in der Woche unterrichten möchte? Klar, immer her damit. Nicht unbedingt wegen dem Geld; pro Unterrichtsstunde verdiene ich etwa 2,50, also 10 Euro pro Woche. (Allerdings lässt sich da hier auch schon wieder viel schöner Kram von kaufen.) Nein, das nicht – aber das ist dann wohl der absolute Sprung ins kalte Unterrichts-Wasser, und den tu ich mir jetzt einfach auch mal an. Dienstag geht’s los.

Und dann ging es nach Hause. Von hier winke ich euch jetzt:

Ok, ich gebe zu - von außen ist der Unterschied zur deutschen Mittelklasse schon größer.


Ja, das war schon wieder ziemlich viel für einen Tag, und eigentlich habe ich ja jetzt freie Zeit und könnte Emailadressen von Redakteuren deutscher Fernsehsender raussuchen. Diese Aufgabe hat Otgoo mir heute gestellt. Für die mediale Aufbereitung meines Aufenthaltes wird er schon sorgen, soviel ist sicher. Auch die ein oder andere Pferdezeitschrift werde ich mal anschreiben und fragen, wie es aussieht mit Gastbeiträgen. Denn: Am Samstag ist der erste Trip geplant. Ich wage es noch gar nicht zu sagen, am Ende klappt es doch nicht. Aber wir wollen zu den Przewalski-Wildpferden fahren. Ohhhh Gott wie wunderbar.



So, genug, und nach dem vielen vielen Lesen auch noch mehr zu gucken. Hier geht’s zur Diashow von heute.

Tschüss!

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