Samstag, 29. Mai 2010

Huch...

....vorbei!

Heut reise ich ab, in zwei Stunden geht es los, und in sagenhaften 36 Stunden bin ich zuhause.

Seltsam unemotional, wie ich die letzten Tage bin, habe ich es bisher nicht für nötig gehalten, einen emotionsgeladenen Abschieds-Danke-&-Goodbye-Post zu erstellen. Das werde ich dann von Deutschland aus nachreichen. Oder vom Flughafen Peking, falls ich da Internet finde. Das wäre toll, denn dann kann ich meine 12 Stunden Wartezeit mit sinnlosen, aber Zeit verschwendenen Internetdingen verplempern. Wie zum Beispiel noch ein paar abschließende Abschiedsworte zu formulieren. Ok, und sooo sinnlos wäre das ja auch nicht.


An dieser Stelle nur kurz Danke und Goodbye an meine Mitstreiterinnen der letzten Wochen, Matylda und Yaelle.

Vous me manquerez beaucoup! Alors... il ne doit pas être "good bye", mais "au revoir" - au sense propre du terme! Bisouuuuuus!

Donnerstag, 27. Mai 2010

Souvenir

Heute habe ich nach langem Ringen mit mir selbst mein bisher teuerstes „Souvenir“ gekauft. Aber ich bin so froh, dass ich es gemacht habe. Und soo teuer ist es auch gar nicht. Da liegt es vor mir, auf dem Fußboden, und ich schaue es verliebt an und kann noch gar nicht glauben, dass es jetzt mir gehört.
Ich habe nämlich einen bestickten kasachischen Wandteppich gekauft.


Wenn man es ganz genau nimmt, ist das kein so ganz richtig mongolisches Mitbringsel, denn diese Stickerei ist wie gesagt typisch kasachisch – und mit den unterschiedlichen Volksgruppen nimmt man es hier sehr genau. Aber so genau nehme ich es nicht, eine Jurte passt schließlich nicht in meinen Koffer, und kasachische Stickerei gehört nun mal zu den schönsten handlichen Dingen, die man so mitbringen kann, wenn man von Filzkitsch und Kaschmirpullovern absieht.
Und Filzkitsch und Kaschmirpullover haben einfach keine so tolle Geschichte wie so ein Wandteppich.

Dieser Behang wird normalerweise an die Wand hinter das Bett gehängt, aber kann auch als Polster auf Bänken oder als Tagesdecke oder oder oder dienen. An drei Seiten ist er schön mit einer Art Bordüre eingefasst – aber nach unter sieht er aus, als ist er noch nicht fertig. Da fehlt was an der Stickerei, es gibt keine Einfassung, und Stoff hängt einfach so runter. Als hätte man mitten bei der Arbeit aufgehört.
Damit wird das Leben symbolisiert – das ja auch niemals „fertig ist“, sondern immer weiter geht.
Und wenn ein neuer Wandteppich gemacht wurde, wird der alte entsorgt. Ich glaube, früher wurde er verbrannt. Heute kann man ihn eben in manchen Souvenirshops kaufen, allerdings recht selten; und es gibt viele kleine Taschen und Täschchen, die aus den alten Stoffen genäht werden.

Irgendwo klein und versteckt sind oft ein Name und eine Jahreszahl eingestickt. Mein Teppich stammt aus dem Jahr 1975. Er ist also 35 Jahre alt und hat sicher die meisten seiner Lebensjahre in einer kasachischen Jurte oder Hütte gehangen. Da hat er viel gesehen, vielleicht Geburt und Tod und Hochzeit und Streit und Liebe, und gehörte zum Leben einer Familie dazu – bis es einen neuen Teppich für diese Familie gab.
Und nun kommt er zu mir und darf die nächsten 35 in meiner Familie zusehen, was so los ist.

Dienstag, 25. Mai 2010

Ponytrip Diashow

klick

Ponytrip

Vorsicht, pferdelastig.
Aber Pferdemenschen lesen hier ja auch mit und sollen auch mal was interessantes zu hören kriegen.


Freitag früh bin ich mit Yaelle und Matylda nach Terelj aufgebrochen, um den lang ersehnten Ponytrip zu veranstalten.
In Terelj war ich schon mal. Ihr erinnert euch an den seltsamen Ausflug mit Arzt und Politikerin zu einer eingeschneiten Felsenschildkröte..?
Ja, und weil es da wirklich schön ist und weil das Ganze gar nicht weit von Ulan Bator entfernt ist, fiel unsere Wahl auf Terelj.

Letzte Woche hat es ja geregnet, und die Sonne scheint viel, und so sprießen jetzt endlich die Bäume und die ersten Blumen. Letzte Woche habe ich einen ersten Löwenzahnkopf in der Stadt gesichtet und wollte fast in Jubel ausbrechen. Und dann flog auch noch ein Schmetterling herum...
Und draußen, außerhalb der Stadt, geht es auch los. Auf den ersten Blick sieht man noch nicht viel, aber wenn man genauer hinschaut – alles fängt an zu blühen, selbst die Lärchen.


So. Freitag war also erstmal Ankunft in unserem Ger Camp. Ger ist die mongolische Bezeichnung für Jurte, ein Ger Camp ist also sowas wie ein mongolisches Hotel. Für alle Reisenden, die pseudoauthentische Unterkunft in einer echt einheimisch anmutenden Behausung wünschen.


So eine Jurte ist aber wirklich cool. Es ist wie Luxuscamping, mit richtigen Betten, und mit Ausblick in die Wildnis und einem Ofen im Zimmer, auf dem gekocht werden kann. Morgens ganz früh kommt ein Ger Camp Mitarbeiter und macht Feuer, damit man im Warmen aufstehen kann. Das habe ich in der ersten Nacht nicht verstanden und war leicht verwundert, dass da um 5 Uhr morgens einer an unsere Tür klopft (denn der Riegel war vorgeschoben und er konnte nicht so rein). Ich bin also aufgestanden und hab verwundert geöffnet und dachte, hä, spinnt der eigentlich, um diese Uhrzeit zu klopfen und wir haben doch noch genug Holz... Und hab ihn verwirrt weggeschickt. Erst am nächsten Morgen, als die Tür offen war und er einfach rein konnte, habe ich verstanden, dass das ein Service des Hauses ist und nicht nur die Holzlieferung, sondern auch das Feuer machen betrifft. Und das war cool, denn nachts wird es immer noch ziemlich kalt, und so ein Feuer zum Morgen ist doch ganz gemütlich.


Und dann machten wir uns auf die Suche nach Pferden. Der Manager von unserem Ger Camp war ein älterer, sehr netter Mann. Der vermittelte uns an einen Mongolen mit Pferden. Die parkten schon vor der Tür.

Die Preisfeilscherei gestaltete sich am Freitag aber ein bisschen schwierig, denn der eigentliche Pferdechef war nicht da und der Vertreter wollte ein bisschen eigenen Profit machen und sagte einen Preis, der uns eigentlich zu hoch war. Es ging ein bisschen hin und her und schließlich einigten wir uns auf eine Stunde Ausritt, als kleinen Einstieg – und über den Tagesritt für den nächsten Tag würden wir noch verhandeln.
Und dann gings auch schon los.


Was die Pferde angeht, muss man sich als europäisch (oder: deutsch) geprägter elitärer Snob natürlich von seinen Vorstellungen von „richtigem Umgang“, „richtiger Pflege“ und überhaupt „richtiger Art und Weise“ verabschieden.

So, wie die Pferde hier aussehen, hätte man in Deutschland ziemlich schnell den Amtstierarzt am Hals. Ist ja aber klar – nach einem 8 Monate dauernden Winter, in dem die Tiere bis zu -50° aushalten müssen (in echt jetzt!), ist es schon gut, wenn sie überhaupt noch leben. Schön sehen sie natürlich dann nicht mehr aus. Und bisher gibts auch noch nicht genug Futter, dünn und klapprig sind sie also immer noch. Von Zecken übersät, mit zotteligem Fell – das hier irgendein Nomade sein Pferd „putzt“, wie man das als deutsches Reitkind in feierlichen Riten beigebracht bekommt, als sei es eine heilige Prozedur, halte ich für ziemlich ausgeschlossen.

So ähnlich ist es auch mit der Ausstattung fürs Pferd. Mongolische Sättel sind harte Holzbänke. Für empfindliche Touristenpopos werden schon russische Militärsättel angeboten, die sind besser gepolstert. Aber ob da ein Sattel passt oder nicht, wird nicht in Frage gestellt. Da ist ein Sattel, da ist ein Pferd – passt. Liebe Nicht-Reiter, ihr ahnt ja gar nicht, was der durchschnittliche deutsche Pferdefreund so an Zeit und Geld in das Finden des richtigen Sattels investiert. Nämlich nicht selten ein mongolisches Jahresgehalt.

Selbst ich, die ich eine ziemlich bescheidene, farblich nicht abgestimmte Pferdeausrüstung besitze und seit Jahren in Jeans reite, weil ich keine Lust hab mir eine neue Reithose zu kaufen – selbst ich habe schon einmal einen Pferdezahnarzt bestellt, und ich kenne Tipps und Tricks, wie man beim Pferd richtig Fieber misst, ohne das Thermometer im Pferdehintern zu verlieren. Und ihr ahnt ja nicht, was für abgefahrenen Spezial-Ausrüstungen man in jedem beliebigen Reitsportkatalog finden kann. Das ist ja schon fast Fetisch. Hüte, Schuhe, Fliegenmasken, Shampoo, Glanzspray und 67 verschiedene Sorten Decken, damit das arme Vieh im Winter nicht friert, bei Regen nicht nass wird und im Sommer nicht schwitzt. Halfter aus Seide mit goldenen Beschlägen, mit dem Namen des Lieblings eingestickt? Gibt es alles.
In der Mongolei gibt es natürlich nichts davon, hier hat das Pferd ja nicht mal einen Namen, der irgendwo eingestickt werden könnte. Als Sattelgurt wird ein Stück Strick benutzt, das Gebiss guckt an beiden Seiten vom Maul einen halben Meter hervor und die Trense besteht aus zusammengeknotetem Seil. Fertig. So funktioniert der Gaul – und wenn er nicht (mehr) funktioniert, wird umdisponiert und Wurst draus gemacht. Ein mongolisches Pferd stirbt sicher nicht an Altersschwäche. So ist das.

Andererseits heißt das nicht, dass Pferde nicht geschätzt werden. Im Gegenteil, die Mongolen brauchen ja ihre Tiere, Tiere sind unglaublich wertvoll und werden dementsprechend auch wert-geschätzt. Aber ein Pferd hat hier eben einen praktischen Zweck, und den erfüllt es; überkandidelter Kram hat da einfach keinen Platz, und zu überkandideltem Kram gehört zum Beispiel schon ein eigener Name. Pferd ist Pferd ist Pferd. (Ich glaube, Rennpferde sind die Ausnahme – die werden hoch verehrt, bekommen schon mal einen Namen und müssen vielleicht auch nicht in die Wurst.)

Ja. Am Freitag bestieg ich also mein namenloses klappriges Pferdchen, und los gings.
Und es war cool. Ach, mongolische Pferde sind cool. Irgendwie – echte Gebrauchspferde und keine sinnlosen Luxusgäule.

Immer rein in die Pampe...


Als Reiter ist es immer so eine Sache, in einer Tourigegend eine Touri-Tour auf einem Touri-Pferd zu machen. Denn oft ist es so, dass es dann ganz abgestumpfte Pferde sind, die auf nichts reagieren als auf den Schweif des Vorpferdes, an dem sie einfach kleben bleiben. Auf diese Weise ist es eben möglich, dass jeder nicht-reitende Tourist auch mal einen Pferderitt macht, denn er muss sich um nichts kümmern außer darum, nicht runterzufallen.
Wenn man aber als Reiter auf so einem Pferd landet, ist das ziemlich frustrierend. Denn man kann ja sofort unterscheiden, ob das Pferd nun das macht, was man ihm sagt, oder nicht. Als Reiter will man aber gern selber „die Zügel in die Hand nehmen“ - weil man es eben so gewohnt ist und weil das ja eben REITEN ist, im Unterschied zu „herumgetragen werden“. Mir ist das einmal passiert, und das hat keinen Spaß gemacht.
Die mongolischen Ponies konnten aber beides. Die können einen Nicht-Reiter auf sich sitzen haben, dann latschen sie halt hinterher (oder lassen sich vom Guide in die richtige Richtung treiben). Ich hatte aber auch überhaupt kein Problem, mein Pferd (bzw. meine Pferde, am Samstag hatte ich ein anderes) selber zu lenken, zu beschleunigen, anzuhalten und stehenzubleiben. Ob vorne oder hinten gehen, die Herde wegreiten sehen oder sogar in die andere Richtung marschieren, rumstehen oder Tempo machen; durch Sumpf und Fluss und über Stock und Stein oder mitten durch eine fremde Pferdeherde durch – mit denen konnte man alles machen. Das geht mit deutschen Luxuspferden nicht.

Das deutsche Luxuspferd möchte meistens entweder hinten oder vorne in der Gruppe gehen, je nachdem, ob es sich um Typ Angeber oder Typ Angsthase handelt. Darf es nicht da gehen, wo es will, wird es maulig. Soll es stehenbleiben und zusehen, wie sich seine Pferdefreunde entfernen, tut es das wenn überhaupt meist mit steigender Ungeduld. Darf es dann hinterherlaufen, tanzt es meist mehr als dass es läuft. Soll es durch eine Pfütze gehen, gibt es meistens großes Theater. Kühe oder Schafe werden für ziemlich gefährlich gehalten, aber noch schlimmer sind eigentlich unbekannte Pferde. Da kriegt das deutsche Luxuspferd schon mal einen Herzinfarkt vor Aufregung. Von Gefahrenquellen wie Maulwurfshügeln, Grasbüscheln oder Baumstümpfen ganz zu schweigen. Und sollte es wider Erwarten ein Pferd geben, dem das alles gar nichts ausmacht und das völlig cool bleibt – so wird es zumindest sehr bewundert und sein Besitzer immens gelobt für dieses wunderbar zuverlässige Geschöpf. So ist das bei uns.

Ja, es war also ziemlich cool, hier ein echtes mongolisches Pferd zu reiten, das sich zwar immer noch vor Wölfen hüten und deshalb seinen Fluchtinstinkt wachhalten muss, aber keine einzige Zivilisationskrankheit kennt, von denen deutsche Pferde so befallen sind. Meins natürlich inklusive.



Und so war der erste kurze Ausritt ein toller Einstieg und Vorgeschmack auf den nächsten Tag.
Denn da gings dann richtig los. Ein Tagesritt sollte das werden, 6 Stunden, über die Berge bis zum Fluss und da picknicken und irgendwie zurück.
Das Wetter am Samstag war zuerst toll. Die Sonne schien, und obwohl es auch sehr windig war, war es richtig warm. So bin ich die ersten 2,3 Stunden im T-Shirt geritten – bis ich gemerkt habe, dass ich den beginnenden Sonnenbrand ein bisschen ernster nehmen sollte. Aber da war es auch schon zu spät.

Mittagssonne

Als wir am Fluss ankamen, war der Himmel dann aber bedeckt, leider gibts deshalb nicht so tolle Fotos von diesem eigentlich tollen Fluss.

auf den Fluss zu - links im Bild eine umziehende Nomadenfamilie


geparkt

Nach unserem Picknick hingen wir noch ein bisschen rum, und dann gings das erste Mal ein bisschen schneller weiter. Soll heißen: Galopp! Und zwar mit einem gehörigen mongolischen „tschuu tschuu“, denn das ist das Pendant zum deutschen „Hüüüaaa!“ und ein Wort, auf das die Pferde wirklich hören. Und ein Wort, mit dem man viel Spaß haben kann, denn es lässt sich auch wie das „tschuu tschuu“ einer Dampflok aussprechen und da kann man sich schon mal ne Weile bzw. jedes Mal wieder neu drüber amüsieren.

Am Fluss entlang ging es dann seeeehr lange, und damit vorbei an Familien, die grade ihre Jurte aufbauen, an Mädchen, die Pferdeherden herumtreiben, an ganz normalem Nomadenleben.

Als wir schließlich den Rückweg einschlugen, lag hinter uns ein Sandsturm-Gewitter-Himmel bereit, dem wir entkommen mussten.
Das war dann eine relativ qualvolle Flucht - so schnell wie möglich nach Hause! Qualvoll, denn nach 5 Stunden Reiten ist so ein deutscher Durchschnittshintern auch auf einem russischen Sattel ziemlich breitgesessen. Mongolische Steigbügel sind sehr kurz, die Beine also seit 5 Stunden in einer ungewohnten Position und ziemlich schwach. Deshalb kann man sich nicht mehr so richtig gut hinstellen zum galoppieren. Noch dazu bestehen die Steigbügelriemen aus einer Art Strick, und der schnitt so in meine Beine, dass ich ernsthaft dachte, ich habe eine offene Fleischwunde. Leider sieht es immer harmloser aus, als es sich anfühlt. Naja, jedenfalls sind wir so noch gute 7, 8 Kilometer geflüchtet, immer so weit man es schaffte ohne vor Schmerz ohnmächtig vom Gaul zu kippen, und gleichzeitig mit dem ängstlichen Blick nach hinten, was da vielleicht gleich für eine Katastrophe auf uns hinabregnen wird. Yaelle, die Nicht-Reiterin, immer vorne weg, denn ihr Gaul bestimmte das Tempo mittlerweile weitgehend alleine und wurde und wurde nicht müde. Und wir krochen hinterher, tschuutschuu.

Endlich glücklich angekommen und abgestiegen, merkt man es dann erst so richtig. Ich konnte am Samstag nicht mehr auf dem Hocker in der Jurte sitzen – zu hart für mein geschundenes Gesäß. Druckstellen an Oberschenkeln und Unterschenkeln (Steigbügel) kamen dazu, und natürlich folgte auch bald ein ordentlicher Muskelkater.

Aber viel schlimmer und auch zwei Tage später nicht ausgestanden ist mein Sonnenbrand. Ich glaube nicht, dass ich schon mal so einen schlimmen Sonnenbrand hatte. Am Samstag abend konnte ich meinen Kopf nicht bewegen, ohne dass sich die Haut am Hals angefühlt hätte, als will sie auseinanderreißen. Das geht mittlerweile wieder, aber anfassen muss noch nicht sein, und ich strahle auch eine ziemliche Hitze aus. Aber naja. Dummheit muss bestraft werden, und vielleicht lernt man doch am Besten, wenn’s weh tut. Ich werde nie wieder die Sonne unterschätzen, erst recht nicht in der Mongolei, auf Winterhaut, die seit Monaten kein Licht gesehen hat.


Wegen der geplagten Gliedmaßen und weil sitzen eigentlich unmöglich war, gaben wir unseren Plan für den Sonntags-Ritt auf und entschieden uns stattdessen für eine Wanderung. Allerdings nur Yaelle und ich, denn Matylda fuhr schon Sonntag früh zurück nach UB, weil sie ins Ballett wollte. Giselle, die teuersten Plätze kosten 4 Euro. Leider habe ich das zu spät mitgekriegt, was es da alles gibt. Am Samstag meiner Abreise könnte man zum Beispiel die Zauberflöte sehen...


Also, Yaelle und ich machten uns also am Sonntag auf den Fußweg zu einem Meditationstempel auf der anderen Seite des Berges. Da wohnt übrigens auch die Schildkröte.


Insgesamt wanderten wir 4 Stunden, trafen im Wald auf plötzlich aus dem Nichts aufgetauchte rosafarbene Blumenmeere (Botaniker vor, ist das etwa ne Art Rhododendron?), machten uns einen Hund zum Freund und freuten uns darüber, so sportlich zu sein. Übrigens war es trotz krasser Sonne total kalt. Es war wieder sehr windig, aber das war es ja am Vortag auch gewesen, und da wars im T-Shirt ok – und jetzt lief ich mit Strickjacke und Fleecejacke rum und fror. Verrücktes Wetter im verrückten Land.





Ja, so war das. Mittags waren wir zurück im Ger Camp, und nachmittags hatten wir eine 1a Mitfahrgelegenheit für umsonst bis direkt vor die Haustür in UB. Nach der ersten Dusche nach drei Tagen (Schmerz, wenn Wasser auf Schulter trifft) mussten wir uns dann vollfressen, und dann folgte ein geruhsamer Schlaf – und völlige Zufriedenheit über ein schönes Wochenende.





... und jetzt ist Dienstag abend, und ich bin diese Woche gut beschäftigt mit Abschiedsvorbereitungen aller Art. Heute gabs nen Kaschmir-Shopping-Marathon quer durch alle Factory Outlets, morgen nehme ich Abschied in der Uni, und auch sonst gibt's viel, was man auf einmal doch noch nicht gemacht hat und eigentlich gern noch hinkriegen wollte. Mal sehen...
Auf jeden Fall freu ich mittlerweile fast zu Tode, bald wieder zuhause zu sein.
Home is, where your heart is.

Vorgeschmack

Wir waren das Wochenende im Terelj Nationalpark - reiten, reiten, reiten und wandern. Es war toll, wenn auch schmerzhaft. Davon werd ich noch mehr erzählen, ich komm nur nicht dazu vor lauter ichweißauchnichtwasanderesmachen. Aber hier schon mal ein paar optische Vorgeschmäcker.



Montag, 17. Mai 2010

Karakorum avec les filles

So. Da bin ich wieder. Glücklich zurück aus Karakorum, und weniger glücklich einige andere Dinge geregelt oder auch irgendwie nicht so richtig geregelt. Aber dazu später.

Samstag früh ging’s los, pünktlichst um 7:58 Uhr setzten wir bei strahlender Morgensonne zum Abflug an. Chinzo, unser Fahrer, war wie gesagt der Bruder einer Lehrstuhlkollegin und „versteht ein bisschen Deutsch“ (Zitat seine Schwester), weil er es nämlich vier Jahre lang studiert hat. An unserer Uni. Das ist auch eine ganz passende Einschätzung; so richtig unterhalten konnte man sich nicht, aber Probleme zu vermitteln was wir möchten gab es auch nicht, und so hatten wir eigentlich einen perfekten Begleiter für unseren heiteren Mädelsausflug.

Unterwegs trafen wir neben den üblichen Verdächtigen (Pferde, Schafe, Ziegen, Kühe, Kamele) diesmal auch Kraniche und Geier. So langsam wirds mit dem Frühling. Die Kraniche sind ein gutes Zeichen. Überall fliegen sie rum, und sie sind immer nur als Paare zu sehen. Ist das nicht romantisch!?


Weniger romantisch, aber auch ganz schön eindrucksvoll waren die Geier. Hier ein Foto, was veranschaulicht, wie groß die Viecher sind. Denn das Pferd ist nicht etwa ein Baby, sondern ein ausgewachsenes Mongolenpony. Wahnsinn, was für riesige Vögel.


Und, vielleicht kann man es schon ein bisschen ahnen: Braun mischt sich jetzt mit grün. Endlich.

Und noch ein paar Details, um zu veranschaulichen, wie unglaublich einsam und leer diese unendliche Steppe ist. Auf der 380 Kilometer langen Straße nach Karakorum gab es zwei oder drei Abzweigungen, bei denen man sich für links oder rechts entscheiden musste. Ansonsten: Nichts. Auf der ganzen Strecke. 380 Kilometer geradeaus. Man kommt durch zwei Orte, die auf der Landkarte verzeichnet sind. Die haben ungefähr die Ausmaße von Gehrenrode. Ansonsten gibt es nur einsame Jurten irgendwo am Berghang, oder ab und zu eine Art Raststätte am Straßenrand – mit mehreren Imbissjurten, in die man einkehren und sich bekochen lassen kann. So wie hier, wo wir Mittagspause gemacht haben.


Aber man kann sich so schnell an diese Weite gewöhnen... eigentlich fällt es einem gar nicht auf, wie einsam und abgeschieden das ist. Bis man drüber nachdenkt, dass es jetzt bestimmt schon wieder 50 Kilometer her ist, seit man Zeichen von menschlichem Leben gesichtet hat.


Gegen 15 Uhr kamen wir in Karakorum an und machten uns erstmal auf die Suche nach einer Unterkunft. Dabei trafen wir allerdings auf meterlange Souvenirstände, die wir Mädchen natürlich erstmal ordentlich abgrasen mussten. Bevor wir also irgendwas gesehen oder ein Bett für die Nacht hatten, haben wir schon ganz gut Zeug eingekauft. Aber ich verteidige mich; ich habe wirklich nur Geschenke gekauft. Nur an euch habe ich gedacht dabei, jawohl!

Danach fanden wir dann eine Jurte für uns vier. Hier ganz rechts im Bild.


Pünktlich zu unserer Ankunft wechselte das Wetter in Sandsturm um, und so haben wir den Rest des Tages nicht mehr viel gemacht. Wir haben in unserer Jurte den Ofen angemacht und Tee gekocht, und ein bisschen geruht. Später gabs Picknick zum Abendessen, und als wir grade beim Kartenspielen waren, klopfte es und ein alter Mongole kam rein. Er informierte uns, dass er später ein kleines Konzert in unserer Nachbarjurte spielen würde, mongolische Volkslieder mit typischen mongolischen Instrumenten. Yaelle und ich sind natürlich hin.

Vor dem Schlafen gabs noch einen ordentlichen Mädchen-Lachanfall. Der arme Chinzo, oder der glückliche Chinzo, ich weiß nicht so genau was er sich wohl dabei gedacht hat. Wir haben das ganze Wochenende einen Mix aus Englisch und Französisch gesprochen. Denn Yaelle spricht ungefähr so viel Englisch wie ich Französisch (mit Freuden stelle ich fest, dass das doch gar nicht so wenig ist. Ich kann wirklich viel verstehen und schaffe es sogar, mich auszudrücken, solange es nicht zu komplex wird.) Jedenfalls wurde Chinzo Zeuge sehr alberner Mädchenkichereien, und das kann man als Mann wahrscheinlich sowohl positiv als auch negativ sehen.


Und am nächsten Morgen haben wir dann auch mal was angeguckt, nämlich das Kloster Erdene Zuu.


Ja, das Kloster ist die eigentliche Attraktion von Karakorum. Von der alten Hauptstadt ist nämlich nicht so viel übrig, und der Rest wird (mit großer deutscher Unterstützung übrigens) von einem Archäologenteam ausgebuddelt und ist, soweit ich das verstanden habe, nicht wirklich zu besichtigen. Wir haben also das Kloster angeguckt, das einmal das größte buddhistische Kloster in der Mongolei war, mit vielen vielen kleinen Tempeln innerhalb der Mauern und bis zu 1000 Mönchen.


Wir hatten eine kleine Führung auf englisch durch den Museumsteil, und das war wirklich ganz cool. Wenn man keine Ahnung von all den Symbolen hat, die da auf einen einwirken, ist es einfach viel uninteressanter sich sowas anzuschauen, als wenn jemand einem die Bedeutung erklärt. Selbst wenn es nur ganz grob ist – alles ist sofort viel spannender. Also, das war wirklich interessant, und jetzt würde ich gern noch mehr darüber wissen.

Les filles: Matylda und Yaelle und ich

Leider wurde es gestern immer kälter, und am Ende haben wir schon ziemlich gefroren – wir waren, weil ja jetzt gefälligst mal Frühling ist, auch ohne Jacke unterwegs.
Nach dem Kloster anschauen haben wir uns noch ein warmes Essen besorgt, um uns wieder aufzuwärmen – und dann gings schon wieder zurück nach Ulan Bator. Pünktlich bei der Abfahrt begann es zu regnen. Und obwohl nicht so viel passiert ist und wir uns nicht wirklich verausgabt haben an diesem Wochenende, waren wir ziemlich k.o. und hingen schläfrig in unseren Autositzen, nur ab und zu herausgeschleudert, wenn wir mal wieder in ein riesiges Schlagloch gerast sind.

Karakorum bedeutet übrigens „schwarze Berge“. Auf einigen Fotos sieht man die Berge im Hintergrund auch. Eigentlich wär es schön, ein bisschen mehr Zeit zu haben, spazierenzugehen, den Fluss (den es auch gibt) anzuschauen und die schöne Landschaft zu genießen. Dazu sind wir nicht so richtig gekommen. Aber trotzdem – es war schön.

Der Regen hat übrigens bis heute nicht wieder richtig aufgehört. Das ist gut für die Mongolei, gut für das Gras, gut für die austrocknenden Flüsse, gut für die Tiere. In der Stadt gibt es jetzt aber sofort überall riesige Ozeane, die zu überqueren manchmal nicht so einfach ist. Und wie im Film hab ich heute auch gleich ne ordentliche Straßenpfützen-Dusche abgekriegt, als ein blöder Autofahrer mit Karacho an mir vorbeifuhr.


Ja, und dann gibt es noch eine Neuigkeit. Ich bin heute Morgen nach der Uni bei meiner Familie ausgezogen und bei Yaelle eingezogen. Das habe ich schon am Freitag entschieden. Über die Gründe will ich nicht so viel schreiben. Es hat jedenfalls nichts mit dem Affen zu tun. Eher mit dem, was ich schon mal gesagt habe, dass es sehr eng ist; und mit anderen Vorfällen, zu deren Lösung mir keine Alternative eingefallen ist, als auszuziehen. Dadurch ist eine ziemlich blöde Situation entstanden, für alle Seiten. Naja. Genug der rätselhaften Andeutungen. Ich gehe jedenfalls nicht böse und hoffe man ist mir nicht böse, aber die Kommunikation über dieses Thema ist auch ziemlich schwer.
Jetzt wohne ich also für meine letzten knapp zwei Wochen bei Yaelle. Das bedeutet nicht unbedingt mehr Luxus oder Privatsphäre, denn Yaelles Wohnung ist optimistisch ausgedrückt spartanisch eingerichtet und beherbergt auch viele kleine niedliche Kakerlaken. Aber wer nach 4 Stunden mich-kennen bereit ist, im wahrsten Sinne des Wortes sein Bett und seine einzige Gabel mit mir zu teilen, der ist so cool, dass das klappen muss. Mit Kakerlaken werd ich fertig. UND: mein Französisch wird immer besser. Je me ne rapelle plus des mots italiens parce que sont retournés les mots francaises!
Alors, bonne nuit!