Wettertechnisch.
Ich denke, heute ist vielleicht der erste Tag, an dem ich sagen kann: Ätschbätsch, bei uns ist es ganz sicher wärmer als bei euch.
Keine Ahnung wie warm, ich habe glaube ich meine dementsprechenden innerlichen Messgeräte nicht mehr so richtig unter Kontrolle, nach dem Winter in Litauen und dem Winter hier. Aber jedenfalls trug ich meine Jacke heute den ganzen Tag auf dem Arm und habe beschlossen, sie demnächst einfach nicht mehr mitzunehmen. So machen es die Mongolen nämlich mittlerweile auch. Einige waren heute sogar im T-Shirt unterwegs. Aber das erscheint mir dann doch noch übertrieben.
Richtig schön ist es dann aber doch immernoch nicht. Immernoch ist alles braun und grau, und staubig. Denn jetzt, wo es nicht mehr kalt ist, fehlt es an Wasser, damit was wachsen könnte. Es hat noch nie geregnet, seit ich hier bin; höchstens mal genieselt, aber nichts, was für nasse Straßen geschweige denn nasse Erde hätte sorgen können. Also sieht es weiterhin trübe aus.
Noch dazu kommt jetzt offenbar die Zeit der Sandstürme, und diese Bezeichnung ist nicht übertrieben. Mehr als einmal hatte ich schon so viel Sand in den Mund bekommen, dass es zwischwen den Zähnen knirscht, und nicht selten muss man sich auf der Straße umdrehen und in den Windschatten stellen, um nicht die volle Ladung Straßenstaub ins Gesicht geweht zu kriegen. Und dieser ganze Dreck und Sand schafft es auch in die Wohnung, weshalb mein Laptop schlimmer aussieht als sonst schon. Und weshalb man nachts lieber nicht mit offenem Fenster schläft. Was aber eigentlich schön wäre, denn die Heizung ist immernoch angestellt (die wird hier von außerhalb reguliert, man kann also nicht hoch- oder runterdrehen) und das sorgt nachts für so schlechte trockene Luft, dass ich mittlerweile morgens immer Halsschmerzen habe. Ich schlafe nämlich direkt neben der Heizung.
Ihr seht, man hat es hier selbst im Frühjahr schwer mit dem Wetter.
Ja, und ansonsten hab ich es auch schwer. Denn so langsam habe ich ein bisschen die Schnauze voll. Ich hab ja nur noch 2,5 Wochen über, und dann gehts nach Hause; aber innerlich jubiliere ich diesem Tag entgegen. Die Stadt nervt und ist einfach hässlich und ungemütlich. Die Wohnung nervt und ich bin ohne zu übertreiben auf ungefähr 2 Quadratmeter persönlichen Raum beengt. In dem ich dann nicht selten auch noch akustisch bedrängt werde, wenn zum Beispiel die Mama mit 100 Dezibel ins Telefon schnattert, zwei Meter von mir entfernt. Wenn ich skype, wird allerdings demonstrativ die Tür zugemacht. Ich bin ja anpassungsfähig und robust und anspruchslos, aber auf Dauer ist es doch ziemlich wenig Platz für die eigene Persönlichkeit. Schöne Momente, in denen ich mich einfach wohl fühle und sonst nichts ist, sind rar gesät.
In der Uni ist es ok, aber langsam hab ich auch darauf keine Lust mehr.
Ich habe herausgefunden, dass ich die Studenten auch bewerten soll, also Noten verteilen. Das finde ich einen Witz, der noch dazu nicht wirklich durchführbar ist. Denn ich habe eigentlich von keinem Kurs eine Kursliste oder so bekommen, und (und das kreide ich durchaus mir selber an) ich kenne die wenigsten Studenten mit Namen. Ich habe mich wirklich bemüht und am Anfang immer Namensschilder basteln lassen und versucht, mir die Namen zu merken. Aber mongolische Namen sind für mich einfach schwierige Wörter, die ich nicht einfach so im Kopf behalte, und irgendwann verschwanden die Namensschilder wieder, und ständig zu fragen: Wie heißt du nochmal? kam mir dann auch blöd vor, und so kenne ich jetzt eben die meisten Studenten nur vom Gesicht her.
Dazu kommt, das mein Unterricht nie kontrolliert, überprüft oder sonst wie registriert worden ist. Meine Anweisung war: Viel sprechen, viel Konversation, that's it. Was ich da eigentlich tue, hat mich noch niemand gefragt. Ich habe mir natürlich viel Mühe gegeben, aber eben besonders dafür, Unterricht zu machen, der den Studenten Spaß macht und bei dem sie Lust kriegen, auch mal den Mund aufzumachen und irgendwas zu sagen. Darauf jetzt (rückwirkend) irgendeine Note zu vergeben - geht nicht.
PLUS: ich kenne überhaupt nicht das mongolische Notensystem...
Naja, alles Gründe, jegliche Notenvergabe zu verweigern und mir meine eigenen Gedanken zum mongolischen Bildungssystem zu machen.
Bevor ihr aber alle denkt, ich leide ganz erbärmlich, erzähle ich nochmal ein paar schöne Dinge, die mir zwischendurch widerfahren. Ich treff mich ungefähr jeden Tag mit Matylda. Meistens zum Essen. Die Abnahmeprognose des Doktors ist leider wieder ins Gegenteil verkehrt, ich habe im Moment einen hohen Bedarf an Zucker und Schokolade und Torte und solchen Dingen. Und wir haben indisches Essen entdeckt. Direkt neben der Uni gibts ein Restaurant, da kann man in Kissen rumfläzen und lauter leckere Sachen bestellen. Nadia, ich beneide dich schon ein wenig.
Heute waren wir den ganzen vormittag auf dem großen Markt. Ich habe Stoff gekauft und werd mir eine Jacke nähen lassen, juhu. Und wenn ich mich nicht stark zurückhalte, werde ich noch ganz viel Stoffe einfach so kaufen und mitbringen, für wasauchimmer wannauchimmer mal draus machen. Die sind einfach so schön! Und so billig!
Dann! Werde ich hoffentlich noch ein bisschen rumreisen, in den letzten Tagen. Freitag bis Sonntag soll es eigentlich mit Otgoo und Uyanga nach Karakorum gehen, der alten Dschingis-Khan-Hauptstadt. Dort ist es wunderschön. Ich freu mich, allerdings würd ich mich nicht wundern, wenn mich Otgoo doch noch versetzt. Aber vielleicht fahr ich dann einfach allein hin. Sowas kann ich ja jetzt.
Apropos Otgoo. Ihr erinnert euch an seinen Porsche-Ausflug?
Nun, den Porsche hat er nicht gekauft. Stattdessen ist es ein Mercedes SLK geworden. Cabrio, vor ein paar Tagen hat er es stolz vorgeführt.
Und dann wieder ein paar Tage später kam er zwischendurch vorbei und musste kurz duschen. Denn er war mit offenem Verdeck gefahren. Und wie ich schon erwähnt habe, ist es momentan ziemlich schlimm mit Dreck und Sandstürmen....
Abonnieren
Kommentare zum Post (Atom)
Keine Kommentare:
Kommentar veröffentlichen