Montag, 17. Mai 2010

Karakorum avec les filles

So. Da bin ich wieder. Glücklich zurück aus Karakorum, und weniger glücklich einige andere Dinge geregelt oder auch irgendwie nicht so richtig geregelt. Aber dazu später.

Samstag früh ging’s los, pünktlichst um 7:58 Uhr setzten wir bei strahlender Morgensonne zum Abflug an. Chinzo, unser Fahrer, war wie gesagt der Bruder einer Lehrstuhlkollegin und „versteht ein bisschen Deutsch“ (Zitat seine Schwester), weil er es nämlich vier Jahre lang studiert hat. An unserer Uni. Das ist auch eine ganz passende Einschätzung; so richtig unterhalten konnte man sich nicht, aber Probleme zu vermitteln was wir möchten gab es auch nicht, und so hatten wir eigentlich einen perfekten Begleiter für unseren heiteren Mädelsausflug.

Unterwegs trafen wir neben den üblichen Verdächtigen (Pferde, Schafe, Ziegen, Kühe, Kamele) diesmal auch Kraniche und Geier. So langsam wirds mit dem Frühling. Die Kraniche sind ein gutes Zeichen. Überall fliegen sie rum, und sie sind immer nur als Paare zu sehen. Ist das nicht romantisch!?


Weniger romantisch, aber auch ganz schön eindrucksvoll waren die Geier. Hier ein Foto, was veranschaulicht, wie groß die Viecher sind. Denn das Pferd ist nicht etwa ein Baby, sondern ein ausgewachsenes Mongolenpony. Wahnsinn, was für riesige Vögel.


Und, vielleicht kann man es schon ein bisschen ahnen: Braun mischt sich jetzt mit grün. Endlich.

Und noch ein paar Details, um zu veranschaulichen, wie unglaublich einsam und leer diese unendliche Steppe ist. Auf der 380 Kilometer langen Straße nach Karakorum gab es zwei oder drei Abzweigungen, bei denen man sich für links oder rechts entscheiden musste. Ansonsten: Nichts. Auf der ganzen Strecke. 380 Kilometer geradeaus. Man kommt durch zwei Orte, die auf der Landkarte verzeichnet sind. Die haben ungefähr die Ausmaße von Gehrenrode. Ansonsten gibt es nur einsame Jurten irgendwo am Berghang, oder ab und zu eine Art Raststätte am Straßenrand – mit mehreren Imbissjurten, in die man einkehren und sich bekochen lassen kann. So wie hier, wo wir Mittagspause gemacht haben.


Aber man kann sich so schnell an diese Weite gewöhnen... eigentlich fällt es einem gar nicht auf, wie einsam und abgeschieden das ist. Bis man drüber nachdenkt, dass es jetzt bestimmt schon wieder 50 Kilometer her ist, seit man Zeichen von menschlichem Leben gesichtet hat.


Gegen 15 Uhr kamen wir in Karakorum an und machten uns erstmal auf die Suche nach einer Unterkunft. Dabei trafen wir allerdings auf meterlange Souvenirstände, die wir Mädchen natürlich erstmal ordentlich abgrasen mussten. Bevor wir also irgendwas gesehen oder ein Bett für die Nacht hatten, haben wir schon ganz gut Zeug eingekauft. Aber ich verteidige mich; ich habe wirklich nur Geschenke gekauft. Nur an euch habe ich gedacht dabei, jawohl!

Danach fanden wir dann eine Jurte für uns vier. Hier ganz rechts im Bild.


Pünktlich zu unserer Ankunft wechselte das Wetter in Sandsturm um, und so haben wir den Rest des Tages nicht mehr viel gemacht. Wir haben in unserer Jurte den Ofen angemacht und Tee gekocht, und ein bisschen geruht. Später gabs Picknick zum Abendessen, und als wir grade beim Kartenspielen waren, klopfte es und ein alter Mongole kam rein. Er informierte uns, dass er später ein kleines Konzert in unserer Nachbarjurte spielen würde, mongolische Volkslieder mit typischen mongolischen Instrumenten. Yaelle und ich sind natürlich hin.

Vor dem Schlafen gabs noch einen ordentlichen Mädchen-Lachanfall. Der arme Chinzo, oder der glückliche Chinzo, ich weiß nicht so genau was er sich wohl dabei gedacht hat. Wir haben das ganze Wochenende einen Mix aus Englisch und Französisch gesprochen. Denn Yaelle spricht ungefähr so viel Englisch wie ich Französisch (mit Freuden stelle ich fest, dass das doch gar nicht so wenig ist. Ich kann wirklich viel verstehen und schaffe es sogar, mich auszudrücken, solange es nicht zu komplex wird.) Jedenfalls wurde Chinzo Zeuge sehr alberner Mädchenkichereien, und das kann man als Mann wahrscheinlich sowohl positiv als auch negativ sehen.


Und am nächsten Morgen haben wir dann auch mal was angeguckt, nämlich das Kloster Erdene Zuu.


Ja, das Kloster ist die eigentliche Attraktion von Karakorum. Von der alten Hauptstadt ist nämlich nicht so viel übrig, und der Rest wird (mit großer deutscher Unterstützung übrigens) von einem Archäologenteam ausgebuddelt und ist, soweit ich das verstanden habe, nicht wirklich zu besichtigen. Wir haben also das Kloster angeguckt, das einmal das größte buddhistische Kloster in der Mongolei war, mit vielen vielen kleinen Tempeln innerhalb der Mauern und bis zu 1000 Mönchen.


Wir hatten eine kleine Führung auf englisch durch den Museumsteil, und das war wirklich ganz cool. Wenn man keine Ahnung von all den Symbolen hat, die da auf einen einwirken, ist es einfach viel uninteressanter sich sowas anzuschauen, als wenn jemand einem die Bedeutung erklärt. Selbst wenn es nur ganz grob ist – alles ist sofort viel spannender. Also, das war wirklich interessant, und jetzt würde ich gern noch mehr darüber wissen.

Les filles: Matylda und Yaelle und ich

Leider wurde es gestern immer kälter, und am Ende haben wir schon ziemlich gefroren – wir waren, weil ja jetzt gefälligst mal Frühling ist, auch ohne Jacke unterwegs.
Nach dem Kloster anschauen haben wir uns noch ein warmes Essen besorgt, um uns wieder aufzuwärmen – und dann gings schon wieder zurück nach Ulan Bator. Pünktlich bei der Abfahrt begann es zu regnen. Und obwohl nicht so viel passiert ist und wir uns nicht wirklich verausgabt haben an diesem Wochenende, waren wir ziemlich k.o. und hingen schläfrig in unseren Autositzen, nur ab und zu herausgeschleudert, wenn wir mal wieder in ein riesiges Schlagloch gerast sind.

Karakorum bedeutet übrigens „schwarze Berge“. Auf einigen Fotos sieht man die Berge im Hintergrund auch. Eigentlich wär es schön, ein bisschen mehr Zeit zu haben, spazierenzugehen, den Fluss (den es auch gibt) anzuschauen und die schöne Landschaft zu genießen. Dazu sind wir nicht so richtig gekommen. Aber trotzdem – es war schön.

Der Regen hat übrigens bis heute nicht wieder richtig aufgehört. Das ist gut für die Mongolei, gut für das Gras, gut für die austrocknenden Flüsse, gut für die Tiere. In der Stadt gibt es jetzt aber sofort überall riesige Ozeane, die zu überqueren manchmal nicht so einfach ist. Und wie im Film hab ich heute auch gleich ne ordentliche Straßenpfützen-Dusche abgekriegt, als ein blöder Autofahrer mit Karacho an mir vorbeifuhr.


Ja, und dann gibt es noch eine Neuigkeit. Ich bin heute Morgen nach der Uni bei meiner Familie ausgezogen und bei Yaelle eingezogen. Das habe ich schon am Freitag entschieden. Über die Gründe will ich nicht so viel schreiben. Es hat jedenfalls nichts mit dem Affen zu tun. Eher mit dem, was ich schon mal gesagt habe, dass es sehr eng ist; und mit anderen Vorfällen, zu deren Lösung mir keine Alternative eingefallen ist, als auszuziehen. Dadurch ist eine ziemlich blöde Situation entstanden, für alle Seiten. Naja. Genug der rätselhaften Andeutungen. Ich gehe jedenfalls nicht böse und hoffe man ist mir nicht böse, aber die Kommunikation über dieses Thema ist auch ziemlich schwer.
Jetzt wohne ich also für meine letzten knapp zwei Wochen bei Yaelle. Das bedeutet nicht unbedingt mehr Luxus oder Privatsphäre, denn Yaelles Wohnung ist optimistisch ausgedrückt spartanisch eingerichtet und beherbergt auch viele kleine niedliche Kakerlaken. Aber wer nach 4 Stunden mich-kennen bereit ist, im wahrsten Sinne des Wortes sein Bett und seine einzige Gabel mit mir zu teilen, der ist so cool, dass das klappen muss. Mit Kakerlaken werd ich fertig. UND: mein Französisch wird immer besser. Je me ne rapelle plus des mots italiens parce que sont retournés les mots francaises!
Alors, bonne nuit!

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