Mittwoch, 31. März 2010

Karaoke

Ich darf das nicht einfach so untergehen lassen, sondern muss es erwähnen. Dachte ich doch, so etwas würde niemals, nie mals nie geschehen.

Ich war in einer Karaoke-Bar. Und ich habe dort gesungen.
Karaoke ist hier ziemlich beliebt, jedenfalls gibt es gefühlte eine Milliarde Karaoke-Bars. Die, wo wir waren, ist ungefähr 100 Meter von zuhause entfernt. Und um es vorweg zu nehmen; wir waren in einem Karaoke-Separee. Also nur wir vier, ein Fernseher, zwei Mikros und eine Art Menükarte mit einigen tausend Liedern zur Auswahl.

Am Montag war nämlich Uyangas Geburtstag, und ich bin mir ihr und zwei anderen Freundinnen ein bisschen rumgezogen, das heißt zum Kino-Keller, wo es Flipperautomaten, Schießbuden, Autorennautomaten und Fotoautomaten gibt. Dort haben wir uns ein bisschen amüsiert, und natürlich auch wieder ein hübsches Foto gemacht.



Danach sollte es in eine Karaoke-Bar gehen. Und ich dachte, komm, jetzt nicht kneifen. Sei tapfer. Du wirst es ja wohl schaffen, dich vor diesen 10 Jahre jüngeren Mädchen mal ein bisschen zum Affen zu machen. Und was soll ich sagen; hat sogar ein bisschen Spaß gemacht.

Ein einziges Mal musste ich bisher in der Öffentlichkeit singen. Das war beim Erasmus-Abschlusscamping auf Sardinien, auf dem Campingplatz Limone Beach, wo Eva, Susi und ich plötzlich in einen MISS VILLAGE Wettbewerb gerutscht sind. Dort mussten wir vor italienischen Familien tanzen, strippen, Theater spielen und auch singen und wurden von einer Jury aus männlichen Campingplatzbewohnern bewertet. Ich war überzeugt, das mir das nie wieder passieren würde. Aber es kam anders.



Ein bisschen verspätetes Geburtstagsfeeling hatte ich übrigens heute nachmittag auch. Denn ich hatte gestern meine letzte Stunde im TestDaF-Kurs (leider) und habe meinen Lohn für den gesamten Unterricht abgeholt - um ihn dann heute komplett für schöne Dinge auf den Kopf zu hauen, so wie ich es mir seit 4 Wochen vorgenommen und mich drauf gefreut habe.
Ja, das war schön.

Picture of the day


MONGOL ULS TOGROG steht da.

Ich kann das mittlerweile lesen.
Naja, sagen wir: ich kann es buchstabieren.

Dienstag, 30. März 2010

Montag, 29. März 2010

Picture of the day


Man is(s)t international

Sonntag, 28. März 2010

13 + 1

Seit zwei Wochen bin ich nun an der Uni Leipzig exmatrikuliert. Nach 13 Semestern hochoffiziell fertig! An dieser Stelle an mich selbst ein dreifaches: Hipp Hipp Hurra!
...und seit zwei Tagen bin ich nun aus taktischen Gründen wieder immatrikuliert, und zwar im schönen Greifswald.
Und heute bin ich schon seit 4 Wochen hier. Ach, die Zeit, die Zeit...
Immerhin bin ich euch ab heute wieder eine Stunde näher gekommen.

Im Moment bin ich ganz gut damit beschäftigt, meine Stunden vorzubereiten und meinen Texte-Job nicht zu vernachlässigen. 5 Kurse die Woche klingt vielleicht nicht so viel, aber wie schon gesagt, soll ich ja eigentlich nur Sprechübungen machen. Und sich für jede Stunde etwas einfallen zu lassen, wie man 90 Minuten sprechen hinkriegt – das kostet ganz schön Vorbereitungszeit.


Aber ab und zu erlebe ich auch was. Gestern zum Beispiel waren wir wieder schwimmen. Diesmal wurden wir sogar einer Taschenkontrolle unterzogen. Bevor wir in die Duschgemächer eingelassen wurden, mussten wir beweisen, dass wir auch wirklich Seife und Shampoo dabeihaben. Nicht, dass einer heimlich die Reinigungsprozedur ausfallen lässt....
Auch sonst ist das Schwimmen hier übrigens ziemlich reglementiert. Man bezahlt seinen Eintritt für eine bestimmte Zeit, nämlich für eine Stunde. Aber das bedeutet nicht, dass man dann „ab Bezahlung“ eine Stunde Zeit hat; sondern man kauft sich quasi einen Termin. 17:30 – 18:15 war das gestern. Da wir aber ungefähr 17:27 bezahlt haben und dann ja noch unsere Seife vorzeigen und uns ausziehen und reinigen mussten, waren wir erst um 17:45 im Wasser. Man schwimmt auch nicht irgendwo, sondern geht zu einem der drei anwesenden Bademeistern und zeigt seinen Bon her. Darauf hat die Kassiererin mit Kugelschreiber 17:30 geschrieben. Man hat somit bewiesen, dass man legal anwesend ist. Dann nimmt man zur Kenntnis, in welcher Bahn man schwimmen soll, und schwimmt bis 18:10, bis das erste Mal die Bademeistertrillerpfeife zum Aufbruch mahnt. Von der Decke tropft es, ich glaube das Dach ist undicht.
Falls man bis zum gekauften Schwimmtermin noch ein wenig Zeit hat, kann man sich die in der Vorhalle mit allen möglichen Aktivitäten vertreiben. Zum Beispiel mit Tischtennis, oder essen, oder Badeanzüge kaufen, oder auf dem Laufband laufen, oder von der Zuschauertribüne den Schwimmern zusehen. Oder: zum Friseur gehen. Waschen, schneiden, föhnen: 2,50 €!


Heute dann habe ich ein mongolisches Krankenhaus von innen gesehen. Uyangas Bruder Undrakh hat nämlich das Pech, seine Ferien dort verbringen zu müssen. Ich glaube es, ist eher eine Art dermatologische Klinik, jedenfalls stand das draußen dran. Er hat eine Allergie und Ausschlag an den Armen bekommen und ist seit Freitag für 10 Tage dort. Und heute bin ich mit Uyanga hingefahren, ihn besuchen, und ihm seine Ration Essen von Mama vorbeibringen. Ich glaube, wir haben uns ein bisschen heimlich auf die Station geschlichen, denn zuerst haben wir etwa 10 Minuten vor dem Stationseingang rumgestanden und rumgeguckt, und gewartet, aber niemand kam und niemand sprach mit uns. Ich glaube, wir durften da nicht mit Straßenschuhen rein, sondern hätten Plastik-Schuhüberzieher benutzen sollen; aber keiner brachte uns welche. Irgendwann sagte Uyanga, ich soll meine Jacke ausziehen, und dann taten wir als wäre nichts und spazierten einfach durch.

Wie ist so ein Krankenhauszimmer?
Es roch wie bei meinem Knochenbrecherarzt, ein bisschen muffig nach diesen kerzenartigen Räucherstäbchen mit Kräutern. Ich finde das immer ein bisschen eklig, wenn ich in einen Raum komme wo es so riecht, aber man gewöhnt sich sehr schnell dran. Und es ist ja anscheinend auch etwas, was böse Keime und Bakterien vertreiben soll. Im Zimmer standen 5 Holzbetten an den Wänden, es gab zwei kleine Nachttische im Raum, und sonst nichts. Kein Stuhl, kein Tisch, kein Schrank, kein Vorhang, keine medizinisch anmutenden Geräte oder irgendwas. Immerhin, die Wände waren blau und kindgerecht mit Walen und Robben bemalt. Aber die Fenster verdreckt und die inneren Fensterscheiben kaputtgeschmissen. Aussicht auf die Jurtenviertel, die direkt auf der anderen Straßenseite losgehen. Unter den Betten standen Plastik-Nachttöpfe. Und ich glaube, man muss sich hier seine Bettwäsche selber mitbringen.
Ich glaube, Undrakh findet es gar nicht so schlimm im Krankenhaus, der sah nicht besonders traurig aus und konnte gar nicht erwarten, dass wir wieder weg sind. Aber der ist auch 13 und hat wahrscheinlich ein paar Kumpels im Fernsehraum gefunden. Mit ihm im Raum waren zwei kleinere Kinder. Jemanden, der wie eine Krankenschwester aussieht, habe ich überhaupt nicht gesehen.
Wenn ich das richtig verstanden habe, bekommen die Patienten auch Essen im Krankenhaus; aber Undrakh kriegt trotzdem jeden Tag was Ordentliches von zuhause vorbeigebracht.

Übrigens möchte ich mal betonen, dass ich mich essenstechnisch ganz tapfer schlage. Ich habe bisher nur einmal verweigert. Das war in der Uni, als ich in einem Raum gelandet bin, in dem hier ansässige Kasachen an dem Tag ihre Kultur vorgestellt haben. Mit kasachischem Hochzeitskleid und kasachischer Babywiege, kasachischem Sofa mit kasachischen bestickten Decken und Teppichen, kasachischer Kleidung und – natürlich – kasachischem Essen. Kaum hatte ich den Raum betreten, wurde ich sanft aber bestimmt an der Hüfte gepackt und an einem Tisch platziert. Vor mir, in etwa 30 Zentimeter Entfernung, stand ein Schafskopf mit gebleckten Zähnen auf dem Tisch und blickte mich an. Gekocht mit Haut und Augen. Die Ohren waren schon ab und wurden, in kleine Stücke geschnitten, gerade zum Kosten herumgereicht. Das war das einzige Mal, dass ich wirklich nicht konnte.
Ansonsten esse ich, was ich kriege, seien es rote Bete oder Rinderleber, Hammelfleischfettränder, japanische Algen oder chinesische Morcheln.

Oh, noch etwas zum Thema Essen. Schon vor ein paar Wochen gab es ein Gespräch unter Lehrstuhlkollegen, Thema: wer sind denn eigentlich jetzt die Barbaren, wir oder die? Es wurde sich ausgetauscht über die deutsche Gewohnheit, rohes Fleisch in Form von Mett auf sein Brötchen zu schmieren. Das ist für die Mongolen anscheinend so unvorstellbar, wie für mich an einem gekochten Schafsöhrchen zu knabbern. Irgendwie verständlich, muss ich sagen.
Und noch etwas würden die Mongolen nicht machen: Babytiere essen. Kalbsleberwurst oder Lammrücken käme nicht in Frage. Die lieben ihre Tiere – und warten wenigstens, bis sie erwachsen sind mit dem Auffressen.


Oh – und noch etwas Unerwartetes ist heute passiert! Uyanga hat ihr gestohlenes Handy zurückbekommen. Anscheinend hat der freche Dieb es an die Mobilfunkfirma Mobicom verkauft, diese Hehlerbande. Dort war Uyanga heute mit ihrem Papa und hat sich Handys angeschaut, denn morgen hat sie Geburtstag. Und was passiert? Sie erkennt ihr altes Handy! Rennt nach Haus, durchwühlt ihre Bons, findet den richtigen und marschiert mit ihrem neuen alten Handy nach Hause. Das mussten sie ihr natürlich umsonst zurückgeben.

Es geschehen noch Zeichen und Wunder...

In diesem Sinne! Bald ist Ostern.

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Samstag, 27. März 2010

Picture of the day


Kapitalismus vs. Sozialismus..?

Freitag, 26. März 2010

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Auch eine Art von Schleichwerbung

Taschengeschichten

Heute wurde mir fast meine Kamera geklaut. Auf offener Straße, am hellichten Tag, aus der Kameratasche.

Irgendwas war komisch, und ich habe mich umgedreht und jemanden erwischt, der grade dabei war, den Reißverschluss der Tasche aufzumachen. Ich war völlig überrascht und konnte gar nichts anderes tun, außer laut und entsetzt „Huch!“ zu sagen und die Tasche an mich zu ziehen. Der Typ hat mich ungefähr so entgeistert angeguckt wie ich ihn und ist ein paar Schritte rückwärts gegangen. So haben wir uns noch gefühlte 5, wahrscheinlich reale 0,5 Sekunden angestarrt und dann bin ich weiter gegangen.

Ich weiß nicht mal, ob das ein kleiner Mann oder ein großer Junge war. Wie ein armes Schwein sah er auf jeden Fall aus, und hat geschaut, als habe ich ihm grade eine Woche gut essen mit der ganzen Familie versaut.
Das ganze ist mitten in der Innenstadt passiert, in einer belebten, aber nicht engen oder überfüllten Straße. Alle, die hinter uns gegangen sind oder am Rand standen, müssen das gesehen haben, dass der da rummacht.

Naja, ich kann gar nicht so richtig empört sein. Aber einen kleinen Schock habe ich schon und werd in Zukunft auf jeden Fall noch besser auf mich und meine wertvollen Utensilien aufpassen.




Weil ich mich eigentlich schon bemühe, mich nicht leichtsinnig zu verhalten und selbstverschuldet beklauen zu lassen, habe ich überhaupt kein Portemonaie mehr dabei. Mein Geld hab ich in der einen Hosentasche, Hausschlüssel in der anderen, und das Handy in der Jackentasche. Was im Übrigen auch keine Garantie ist. Uyanga ist vor zwei Wochen ihr Handy aus der Hosentasche geklaut worden, als wir aus einem Supermarkt rauskamen. Da, wo es eng ist und man sich aneinander vorbeidrängeln muss eben. Im Supermarkt hatte sie noch telefoniert, zehn Meter weiter war es zu spät.



Nochmal apropos Geld in der Hosentasche. Hier gibt es nur Scheine und gar keine Münzen. Neulich habe ich irgendwo mein ganzes Wechselgeld in 50-Tugruk-Scheinen bekommen, was jeweils ungefähr 2,5 Cent und damit auch in diesem Land nicht grade viel sind. Ich hatte dann also auf einmal 24 2,5-Cent-Scheine in der Tasche, plus ein paar normale Scheine, mit denen ich auch weiterhin aus Gründen der Bequemlichkeit bezahlt habe. Nach zwei oder drei Tagen war mir das mit der dicken Hosentasche aber zu blöd und ich habe den ganzen Haufen in einem Souvenirshop auf die Theke gezählt und in sinnlose, aber schöne Seidenbeutelchen investiert.






P.S. Tagsüber erreichen wir nun anscheinend bald Plusgrade!!

Donnerstag, 25. März 2010

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Bushaltestelle


Das sind "private Linienbusse".
Die, die da ihre Köpfe rausstrecken, rufen die ganze Zeit, wo sie hinfahren werden, denn an den Bussen steht nix dran. Hat also was von Marktschreierei, wenn man dort vorbeigeht. Los geht es erst, wenn eine Mindestanzahl Fahrgäste eingetroffen sind.

Der große Bus dahinter ist ein staatlicher Linienbus. Mit so einem fährt Saikhna, eine Studentin, mit der ich heute unterwegs war. Sie hat dafür ein Studenten-Monatsticket, das umgerechnet etwa 40 Cent kostet...

Mittwoch, 24. März 2010

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Fotos von Menschen sind ja eigentlich interessanter als Fotos von Häusern, oder von Schildern. Ich traue mich aber nicht so richtig, mit meiner Riesenkamera einfach auf irgendwelche Leute auf der Straße zu halten. Ist ja doch ein bisschen frech. Daher mache ich immer nur heimlich Bilder, und die verwackeln dann, wenn ich so wie hier versuche, nah ranzuzoomen.
Ich wollte eigentlich die Frau im Del fotografieren, die an ihrer Pappkartontheke sitzt und Telefondienste anbietet. Aber es sind ständig Leute und Autos ins Bild gerannt. Und obwohl es unscharf und seltsam ist, finde ich dieses Bild hier trotzdem irgendwie gut.

Dienstag, 23. März 2010

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Das einzige Straßenschild, das ich bisher hier gesehen habe. Ernsthaft.

Visum die 1.

Grade komme ich von der zentralen Ausländerbehörde und habe meine erste Visumsverlängerung in der Tasche. Das hat mich 61 Dollar und 5000 Tugruk gekostet, letzte Woche schon. Da war ich mit Otgoo und einer unbekannten, nicht vorgestellten jungen Damen schonmal dort. Die Frau musste dort wohl auch irgendwas erledigen und hat die Gelegenheit genutzt mitzufahren. Ich habe die Gelegenheit genutzt, mir ihren 100-Dollar-Schein zu leihen, den sie dabeihatte. So konnte ich die Gebühren bezahlen, von denen ich vorher nichts wusste. Die Ausländerbehörde liegt direkt am Flughafen, das ist also jedes Mal ne halbe Stunde Autofahrt.

Ja, letzte Woche haben wir also den regulären Antrag abgegeben und bezahlt. Dafür mussten wir einen Brief schreiben und den Antrag begründen. Ich bin ja nun Tourist. Offiziell habe ich Uyanga im Internet kennen gelernt und gebe ihr privaten Deutschunterricht. Oder so ähnlich, so genau weiß ich nicht, was ich da unterschrieben habe. Aber es hat gereicht.

Das nächste Mal läuft es ein bisschen anders, denn das Tourivisum verlängern kann man eigentlich nur einmal. Aber Otgoo kennt ja Leute und weiß, wie die Korruption funktioniert. Er hat unsere Freundin, die Ministerin vom letzten Sonntag, eingeschaltet, die sich ihrerseits an den Chef der Ausländerbehörde wenden wird oder schon gewendet hat, der dann seinerseits dafür sorgt, dass der nächste Antrag (der wieder 61 Dollar kosten wird) auch klargeht.

Irgendjemanden haben wir heute schon mit einem Dankesschmiergeld in Höhe von 20.000 Tugruk (ca 10€) beglückt, das hat Otgoo schnell nebenbei auf der Herrentoilette erledigt. Und in meinem Pass ist jetzt ein kleiner Stempel mehr, der besagt, dass ich bis zum 29.4. hier sein darf.


Was unsere privaten Verbandelungen angeht, habe ich keine Ahnung, was ich denken soll.
Ach nee, stimmt nicht, ich habe eigentlich ein klares Bild.
Otgoo hat es von selber nochmal angesprochen und auf die freundschaftliche Tour gemacht. Kein Problem und so. Und dass sich unsere SMS überschnitten hätten und es nur deshalb so aussah, als lässt er sich von meinen Neins nicht aufhalten (jaaaaaa...) Dann hat er aber nebenbei einfließen lassen, dass er letzte Woche (an dem Tag, an dem die SMS kamen) mit seiner Freundin Schluss gemacht hat. Er singt hingebungsvoll zu Liebesliedern im Radio und schaut mich dabei ab und zu von der Seite an, ob ich es auch merke. Und falls die Theorie stimmt und schnelle Autos für Männer nichts weiter sind als eine zur Schau gestellte Schwanzverlängerung, dann hat er zum Schluss noch den Slash Hammer rausgeholt. Nach Hause gefahren hat er mich nämlich in „seinem“ Porsche Boxster.

Cabrio.

Ich dachte ich geh kaputt.

Das Auto war jetzt ein Jahr in der Werkstatt, weil man hier keine Ersatzteile dafür auftreiben konnte; aber jetzt ist es repariert und wenn die Probefahrt gut läuft, kauft er es sofort.

Mir fällt dazu fast nichts ein, außer: wie verrückt! und wie bescheuert.

Verrückt, weil in dieser Stadt Leute in Erdlöchern leben und Plastikflaschen sammeln, und andere sich das teuerste Spielzeug ihres Lebens leisten. Auf dem Parkplatz, von dem wir losgefahren sind, stand ein alter Mann mit nur einem Stiefel an. Der andere Fuß steckte in einer Plastiktüte.

Bescheuert, weil die Straßen in dieser Stadt nicht für Porsches gemacht sind. Wenn es überhaupt Straßen gibt. Hier muss ein Auto ein Schlagloch aushalten können. Was macht ein Auto für einen Sinn, das man am liebsten über jede kleine Kuhle im Boden rübertragen möchte?
Während der zehn-Minuten-Fahrt zu meiner Wohnung ist ungefähr 10 Mal das Fenster von selbst aufgegangen, weil die Schlaglöcher die Elektronik verwirrt haben.
Ein Cabrio. Im 8-Monate-Winter-Land.

Ja, das ist für mich der Inbegriff der Schwanzverlängerung. Sinnlos, Leute. I am not impressed.

Oh, fast vergessen. Morgen soll ich ein Interview geben zum Thema Angela Merkel, deutsche Frauen in der Politik, und so. Was weiß ich was der sich vorstellt. Denn wie ihr wisst produziert Otgoo Sendungen, die mehr Frauen in die Politik bringen sollen (damit sie dann die Korruption stoppen...)
Ich habe gesagt, ich weiß nicht was ich da sagen soll.
Otgoo hat gesagt, er sagt mir, was ich sagen soll.
Ich habe gesagt, dann ist es doch kein Interview.
Otgoo hat gesagt, so machen das doch alle. Angela Merkel, Angelina Jolie, Britney Spears. Weißt du das nicht?
Ich habe gesagt, ich möchte nicht.
Er hat gesagt, morgen um 12.

Nein, ich möchte das nicht. Ich werde das nicht machen. Langsam hab ich irgendwie auch mal genug.

Montag, 22. März 2010

Sonntag, 21. März 2010

Picture of the day



Da kommt Vertrauen auf!

Feierei

Gestern war deutsche Bildungsmesse. Ein Ereignis, bei dem sich die mongolische Schüler- und Studentenschaft nebst näherer Verwandtschaft sechs Stunden lang über Deutschland, Germanistikstudienmöglichkeiten in der Mongolei, Studienmöglichkeiten in Deutschland sowie Finanzierungsmöglichkeiten und Stipendien aller Art informieren und kiloweise Prospekte sammeln konnte. Neben Unis und Schulen mit Deutschangebot waren auch alle möglichen Organisationen, die irgendwas mit Deutsch zu tun haben, dabei, und plötzlich sah ich überall europäische Gesichter und deutsche Freiwillige und stellte fest, dass es in Ulan Bator dreimal wöchentlich sogar ein deutsches Radio gibt. Die deutsch-mongolische Brücke, eine Alumni-Organisation für ehemalige in-Deutschland-studiert-oder-gearbeitet-Habende, hat den Großteil organisiert, und im Viertelstundentakt gab es Vorträge rund um alle Themen, vom DAAD bis zum Bericht einiger deutschunterrichtender Schulen über deren letzten Schüleraustausch. Ihr erinnert euch vielleicht, ich war auch gefragt worden, ob ich etwas beisteuern kann; es hatte sich dann aber herausgestellt, dass es eigentlich doch schon genug Vorträge gab, und so musste ich nichts sagen.
Allerdings konnte ich den Direktor einer Schule in Dachan kennenlernen, seines Zeichens einziger Deutschlehrer seiner Anstalt, und habe meinen kleinen Besuch dort quasi eingefädelt. Ich würde mich sehr freuen, er würde sich sehr freuen, sieht so aus, als fahr ich im April mal ne Woche hoch. Juchu!

Anschließend gab es einen Empfang in einem Restaurant mit Buffet und Getränken und Feierei. Spätesten dann, als die ehrenwerte Professorin meines Lehrstuhls mich am Handgelenk hinter sich herzog, während sie zu Ra-Ra-Rasputin eine wilde Polonaise anführte, bekam ich den richtigen Eindruck davon, wie die Mongolen feiern. Nämlich wild und ungeniert mit viel Alkohol. Alle mussten tanzen, es gab kein Entkommen; und zwar zu Boney M., Modern Talking und den üblichen Verdächtigen, die in so einem Fall auch dazu gehören. Ich habe leider vergeblich gewartet, dass Dschinghis Khan gespielt wird und die deutsch-mongolische Meute dann vollends ausflippt. Aber es hat auch so gereicht. Ich musste mit wildfremden Frauen und auch Männern tanzen, Visitenkarten und Internet-Sozialplattforms-Einladungen entgegennehmen und meinerseits zugeben, dass ich keine eigene Visitenkarte zum verteilen besitze. Und jetzt weiß ich nicht so richtig, ob ich übertrieben misstrauisch bin, wenn ich denke: diese gutaussehenden gegelten Typen, die mich da vorhin so semi-lasziv angetanzt haben, wollen doch bestimmt nicht nur ihr Brücken-Netzwerk ausbauen; oder ob ich übertrieben naiv bin, wenn ich denke: die freundlichen Herren von der Brücke, die darauf bestehen dass ich mich bei ihnen melde, tun doch bestimmt nur ihren Job.

Wahrscheinlich bin ich jetzt auch ne Portion Otgoo-geschädigt. Von dem bisher übrigens keine neuen Lebenszeichen. Gut so.

Samstag, 20. März 2010

Freitag, 19. März 2010

Picture of the day

Vorsicht vor netten Onkels

Gestern gab es einen kleinen Vorfall. Ich hab überlegt, ob ich hier überhaupt darüber schreiben soll; aber wenn ich es nicht tun würde, könntet ihr in Zukunft die Geschichten, die ich so erzähle, nicht in dem Licht sehen, in dem ich sie wohl ab jetzt erleben werde. Und außerdem, wieso sollte ich es eigentlich nicht erzählen.

Otgoo ist nämlich nun in mich verliebt, das hat er mir per SMS erzählt. Weil ich so eine sehr sehr hübsche und normale Frau bin (er ist ja anscheinend nur von berühmten Moderatorinnen und Politikerinnen umgeben), und er hätte gerne a nice date mit mir. Auf meine Antwort „Nein! Ich habe einen Freund“ lautete die Reaktion: „Come on! (!?!?!!!??!) Ich weiß, aber so ist das Leben, gibt es nicht immer schöne, nette und tolle Dinge!?“ So ging es noch 2, 3 SMS weiter, und ich wurde immer verstörter und schockierter über seine Beharrlichkeit. „Zwei junge und nette Leute trafen sich eines Tages in einem schönen Land namens Mongolei, und bald wurde es sehr romantisch! Glaubst du nicht, das wir uns gut verstehen würden?“

Ich bin felsenfest davon überzeugt, dass ich keinerlei Anlass gegeben habe, unsere Ausflüge romantisch zu finden. Ich habe ganz bestimmt nicht kokettiert oder so. Ich rede fast nichts, meistens erzählt er mir was und ich steuere freundliche Ahas und Achsos zur Unterhaltung bei; oder er redet eh mit den anderen, die mitfahren. Und da mich seine Überschwänglichkeit manchmal fast eher ein bisschen überfordert, halte ich mich sowieso noch weiter zurück, um nicht noch Öl ins Feuer der Begeisterung zu gießen. Ich fühle mich völlig unschuldig an seiner „Verliebtheit“, über die er sicher unbeschadet hinwegkommen wird; und zugleich natürlich extrem ausgeliefert. Ich kann ja schlecht sagen, lieber Freund, danke für deine ganze Hilfe und so, aber jetzt fahre ich erstmal nirgends mehr mit dir hin. Aber wenn wir irgendwo hinfahren werden, fährt ab jetzt sicher auch ein extrem blödes Gefühl mit. Nicht, dass ich mich für die ganze Gastfreundschaft dann doch mal revanchieren soll...

Nee, das kann ich mir nicht vorstellen. Aber ich konnte mir auch das, was passiert ist, nicht vorstellen.

Ach du Scheiße.

Donnerstag, 18. März 2010

Picture of the day

Bilder sagen mehr als Worte.

Deshalb starte ich heute meine neue Kategorie Picture of the day.
Eigentlich bin ich mit meinen Fotos, besonders aus Ulan Bator, eher unzufrieden. So richtig tolle Bilder kriege ich nicht hin. Aber um einen Eindruck in die alltäglichen Mongolischkeiten, die man so auf der Straße beobachten kann, zu geben, zeig ich euch jetzt trotzdem jeden Tag vielleicht kein umreißend tolles, aber doch irgendwie typisches Foto.


Los geht's mit der Farbe des Winters, die hier noch alles beherrscht, und die ich langsam gerne gegen etwas grün eintauschen würde. Bin ein bisschen neidisch auf euren Frühling, der ja jetzt angeblich zu euch kommen wird.

Mittwoch, 17. März 2010

mongolische Alltäglichkeiten - alltägliche Mongolischkeiten

Wenig passiert, was aufregend ist. An meinem Geburtstag habe ich viel gearbeitet; morgens hospitiert, nachmittags getextet, und dann wieder 3 Stunden TestDAF-Kurs. Das war aber auch ganz ok, vor allem der Kurs macht viel Spaß. Danach hat mich die Family zum Essen ausgeführt. Zum Nachtisch gab es Torte mit Kerzen zum auspusten, kleine Geschenke und viel Herzlichkeit. Fotos davon gibt es, wenn ich sie bekommen habe, ich hatte meine eigene Kamera nicht mit.


Ich gewöhne mich so langsam an den Rhythmus von Ulan Bator, glaube ich. Irgendwie kann ich mir überhaupt nicht vorstellen, wie der Rest des Landes ist; hier ist es jedenfalls ziemlich verrückt. Ständig erwische ich mich dabei, wie ich denke: Ist ja alles wie bei uns; dabei ist natürlich eigentlich nichts wie bei uns.
Wahrscheinlich habe ich mir aber so viel Exotik vorgestellt, dass ich gar nicht damit gerechnet habe, hier auch WMF und Adidas, Küchentische mit Wachstuchdecke, Fernsehnachrichten und alles mögliche andere vorzufinden, das ich kenne – und bin dann darüber dann immer fast mehr überrascht als über die vielen exotischen Dinge und für mich neuen Verhaltensweisen und Bilder und Alltäglichkeiten, die es natürlich auch haufenweise gibt.

Die Mongolei ist übrigens ein extrem junges Land. Das Durchschnittsalter liegt bei 24,6 Jahren. Mehr als zwei Drittel der Bevölkerung sind unter 30 Jahre alt, 36% sind unter 14 (sagt Wiki). Und das sieht man natürlich auch auf der Straße, auf der, wie ich ja schon mal beschrieben habe, die hippen Teenies flanieren, sich mit den neuesten Handys über die wichtigsten News auf dem Laufenden halten und insgesamt einfach überhaupt nicht nach Jurten, Schafen oder Tradition aussehen.

Um mal wieder ein paar Beispiele mongolischen Alltags einfließen zu lassen: Undrakh, Uyangas Bruder, rettet mich desöfteren davor, kaltes Wasser zum Essen zu trinken. Das ist hier unüblich; zu warmem Essen trinkt man warmes bis heißes Wasser, kaltes Wasser tut angeblich dem Magen nicht gut. Mein Argument, dass ich seit 28 Jahren regelmäßig kaltes Wasser trinke und bisher keine Beschwerden vorliegen, hat ihn nicht besänftigen können. Sehr besorgt hat er mich beim Trinken beobachtet.

Unglückbringend und deshalb extrem zu vermeiden ist es, seine Tasche auf dem Fußboden abzustellen. Das macht hier niemand, und in den ersten Tagen ist es mir ein paar Mal passiert, dass jemand mich sanft aber erschrocken zurechtgewiesen hat. In der Uni habe ich noch keine einzige Tasche, keinen Rucksack, kein nichts auf dem Fußboden gesehen. Stühle und Tische werden damit belegt. Ich glaube nicht, dass es mir übelgenommen werden würde, wenn ich mich über dieses ungeschriebene Gesetz hinwegsetze, aber ich versuche mich den Gepflogenheiten anzupassen. Gar nicht so leicht, sage ich euch. Ich bin es nun mal gewohnt, auf dem Fußboden abzustellen.

Verblüfft hat mich die Tatsache, dass es in diesem Land kein McDonalds gibt. Das habe ich noch in Deutschland erfahren und war ziemlich baff. Da kann man mal sehen, wie weit man eigentlich konsum- und globalisierungsgeschädigt ist, dass man von sowas baff ist. Allerdings bin ich jetzt fast noch erstaunter darüber, denn es ist nicht grade so, als wäre man hier dem Fast Food abgeneigt. Im Gegenteil; an jeder Ecke gibt es eine Burger- und Frittenbude, und es wird fleißig essen gegangen. Und auch hier zuhause hat das, was gekocht wird, zum Teil ziemlichen Fastfoodcharakter. Ich sage nur Reis mit Bockwurst und Spiegelei, plus Ketchup. Das gibt es hier ziemlich oft, und zwar mitunter schon zum Frühstück. Ich bleibe dann bei Müsli.


Ab und zu gibt es einen Stromausfall. Meistens nur für einige Sekunden, was für mich schlimm genug ist, weil sich dann sofort mein Laptop verabschiedet. Der Akku schafft es mittlerweile nicht mal mehr durchzuhalten, wenn ich die Steckdose wechseln will...

Zum Thema Steckdose fallen mir auch zwei Dinge ein. Ich sitze grade auf meiner Bett-Klappcouch, und eine Steckdose befindet sich am Kopfende auf Kopfhöhe. Daraus kommt manchmal Musik, manchmal auch Gespräche oder Kindergeschrei. Wahrscheinlich lausche ich, ohne es zu wissen, regelmäßig in das Leben der Nachbarsfamilie hinein. Leider auch, ohne etwas zu verstehen.
Das zweite, was man zur Steckdose sagen kann, leitet zum Thema Uni über. Meine Uni besteht aus drei Gebäuden, von denen das dritte eine ziemliche Bruchbude ist. Leider muss man da auch manchmal unterrichten. Dort gibt es keine richtige Heizung, man behält also seine Jacke an. Und es gibt auch keine Steckdosen. Das ist schade, weil mir für die Kurse, die ich dort mache, eigentlich sehr viele mediale Dinge einfallen würden - wozu ich aber den Laptop brauchen würde.

Gestern hatte ich wieder meinen TestDAF-Kurs. Ach, das hat so Spaß gemacht. Ich fühle mich wirklich wohl in dieser Rolle. Allerdings liegt das ganz sicher auch an diesem Kurs. Ich hab ja schonmal gesagt, dass das ein Kurs ist, den Studenten aus allen möglichen Studienrichtungen freiwillig machen, weil sie irgendwann mal in Deutschland studieren wollen und dafür einen Sprachnachweis (TestDAF) brauchen. Die haben also auch eine besondere Motivation, die Sprache zu lernen, und sind willens, sich dafür auf den Hintern zu setzen, und dankbar, dass man ihnen was beibringt. - nicht wie so mancher Germanistik-Student, der das macht, weil ihm auch nichts Besseres eingefallen ist, und eigentlich lieber zuhause sein und schlafen würde.
Nicht, dass die anderen Kurse, in denen ich bin, schrecklich wären. Aber dieser Kurs macht eben wirklich besonders Spaß.


Übrigens ist Lehrer hier in der Mongolei ein sehr ehrenwerter Beruf. Das äußert sich auch in dem Titel-Beinamen, den man als Lehrer bekommt: Baksha (Schreibweise von mir frei erfunden, so höre ich das Wort). Nur Lehrer und Ärzte haben so einen Beinamen, der für Ärzte fällt mir aber grade nicht ein. In der Mongolei nennt man sich übrigens auch beim Vornamen und kürzt den Nachnamen ab, auch in offiziellen Umständen. Also nicht H. Müller, sondern Heinz M. Lehrer werden dementsprechend mit Vornamen+Baksha angeredet, und auch die Lehrstuhlkollegen reden voneinander oft mit dem Bakshatitel. Chaagibaksha, Munkhuubaksha, Naraabaksha, Batkabaksha und Detlbaksha (Detlef, DAAD-Lektor). Ich werde möglicherweise noch zur Katharinabaksha mutieren. Fühlt sich aber nicht schlecht an. Und diese Lehrerverehrung geht so weit, dass bei der Unterhaltung nach dem Filmabend letzte Woche, in der mögliche neue Filme diskutiert wurden, „Die Feuerzangenbowle“ als unverständlich für die Mongolei aus der Liste geflogen ist. Die würden diesen Humor nicht verstehen, hieß es. Sich über Lehrer lustig machen und sie auf den Arm nehmen – da würde man nur völliges Unverständnis ernten.

In diesem Sinne... eure ehrenwerte Inabaksha

Montag, 15. März 2010

Böses F-Wort auf mongolisch

Dieser Beitrag ist meinen Herren Brüdern gewidmet.

Das Stichwort lautet: Führerschein!

Kommt mich doch einfach besuchen, bringt 300 US-Dollar mit und erwerbt einen regulären mongolischen Führerschein ganz ohne Fahrstunden, Prüfung oder sonstige Querelen. Otgoo kann euch bestimmt helfen, er hat da Erfahrung.

Sonntag, 14. März 2010

Tierisch

Gestern hatte ich nichts zu tun und bin deshalb ins Naturkundemuseum gegangen, um über die mongolische Tierwelt zu staunen.
Die größte Attraktion dort sind die Dinosaurier. In der Gobi und an anderen Orten hier in der Mongolei sind nämlich viele viele Saurierskelette und –eier gefunden worden, und im Museum kann man unter einem riesigen Tyrannosaurus-mäßigen Monsterfleischfresser spazieren gehen und sich vorstellen, wie das so ist, wenn er seine unterarmlangen Krallen in einen reinstechen würde.

Noch spannender, weil noch nicht ausgestorben sind aber die ganzen anderen wilden Tiere. Im Osten gibt es riesige Gazellenherden, die durch die Steppe streifen. Es gibt Wölfe und Bären und Luchse und Murmeltiere und Biber und alle möglichen Sorten Rehe, Hirsche und Elche, und Rentiere. Und Wildschafe bzw. Steinböcke mit riesigen Hörnern. Neben Adlern gibt es auch Geier, und die sind nochmal fast doppelt so groß wie die Adler. Vielleicht habe ich also letzte Woche auch Geier gesehen. Und hoffentlich treffe ich noch ein paar von diesen Tieren, wo ich schon mit den Przewalskis so viel Glück hatte.


Für heute habe ich auch schon meine Ration unbekannte Tiere bekommen. Ich war wieder mit Otgoo unterwegs, und dabei sind wir heute auch meinen ersten Kamelen und Yaks begegnet.

Mit uns unterwegs waren übrigens unser alter Freund, der Doktor, sowie die ranghöchste Politikerin der kommunistischen Partei, ihres Zeichens irgendeine Auftraggeberin von Otgoo. Das erfuhr ich erst, als wir schon unterwegs waren. Allerdings blieb mir bis zum Schluss des Ausflugs verborgen, was der Sinn dieser seltsamen Zusammenstellung war. Die Dame war angeblich freiwillig mitgekommen, weil sie gern mal wieder spazieren gehen wollte. Als sie aus ihrer Wohnung kam, war mir allerdings auf den ersten Blick klar, dass es ein kurzer Spaziergang werden würde, denn sie hatte unlängst das Bein gebrochen, hat den Fuß noch im Gips und lief mit einer Krücke. Noch dazu hatte sie ein pelzbesetztes Jäckchen an, mit dem sie ohne Probleme ins Parlament, aber weniger gut in die Pampa hätte fahren können. Ihr Beinbruch war übrigens die Gelegenheit, bei der Otgoo sie dem Doktor vorgestellt hat, und jetzt sollten wir vier anscheinend zusammen einen schönen Ausflug unternehmen.

Ich war anfangs extrem irritiert, denn Otgoo erzählte mir eindringlich von der Prominenz dieser Politikerin. Sie war vier Jahre im Parlament und danach 2 Jahre Ministerin, in der Mongolei würde jeder sie kennen. (Überhaupt ist eine Frau im Parlament eine krasse Sache; Otgoo bereitet grade ein paar Kampagnen vor, sie gründen einen Bund für mehr Frauen in der Politik, und bis zur nächsten Wahl 2012 wird er jede Woche 2 oder 3 Sendungen vorbereiten, in denen es um Politikerinnen weltweit geht und warum es wichtig ist, mehr Frauen ins Parlament zu holen. Momentan sind sagenhafte 3 von 76 Sitzen mit einer Frau besetzt.)

So, also; Ich fahre also mit einer landesweit bekannten Politikerin sowie dem ehrenwerten Arzt, an den ich mich ja schon gewöhnt habe, ohne jedoch einschätzen zu können, wie tief die von mir ausgehende Ehrerbietung eigentlich sein muss, durch die Gegend. Eigentlich stelle ich mir vor, ich müsste jetzt ständig Knickse machen und Löcher in die Erde scharren vor Unterwürfigkeit so edlen Persönlichkeiten gegenüber. Stattdessen sitze ich im Auto vorne, und Otgoo sagt, steig nicht aus und begrüß die Politikerin, wenn sie rauskommt, sie ist gewohnt, dass ich sie wie einen normalen Menschen behandle und nicht mit dieser Unterwürfigkeit, die in der Mongolei alle an sich haben. Und wie zum Beweis halten wir unterwegs an einer Bretterbude und gehen in einer Kaschemme was essen, in der sonst die Lkw-Fahrer einkehren. Und Otgoo freut sich und sagt: Das ist bestimmt das erste Mal, das diese Politikerin, die jeder kennt, in so einem Laden isst.

Die Dame selbst sieht weniger aus, als ist sie mit netten Bekannten in Sachen Freizeitgestaltung unterwegs; vielmehr wirkt sie wie eine Grande Dame, die während einer Entführung Contenance und Haltung bewahrt. Zum Glück muss ich keinerlei Small Talk versuchen, keiner von denen spricht Englisch.

Der Arzt dagegen ist witzig und unkompliziert. Er hat chinesischen Wodka gekauft und teilt beim Essen aus. Otgoo übersetzt: Unser Körper braucht jeden Tag ein bisschen Alkohol. Ich trinke also auf ärztliche Anweisung.


Nach dem Essen fahren wir weiter, unser erstes Ziel: Die Statue vom großen Dschingis Khan. Auf einem Hügel östlich von Ulan Bator, wo der große Dschinghis der Legende nach einmal verletzt gefunden wurde, haben sie ihm ein Reiterdenkmal aufgestellt, das sich sehen lassen kann.


40 Meter hoch und aus mehreren tausend Tonnen Stahl, thront er hier auf seinem Ross und blickt über die Steppe. Im Schwanz des Pferdes gibt es einen Aufzug, damit kommt man hoch und kann dann auf dem Kopf des Pferdes nach draußen treten. Von hier aus hat man an schönen Tagen bestimmt einen guten Ausblick. Die Fotos, die ich vorher so gegoogelt hatte, zeigen ein wunderschönes Bergpanorama. Heute allerdings war das Wetter extrem schlecht.

So endete unser Besuch ziemlich unspektatulär und wir fuhren wieder zurück, zu einem Nationalpark mit felsigen Bergspitzen, vielen Touristen-Jurten-Camps, Kamelen und Yaks an der Straße.



Hier muss es im Sommer bzw. schon im Frühling wirklich toll sein. Der Fluss ist im Moment noch zugefroren, aber selbst durch das Eis durch sah er hellblau aus. Und wenn es dann grün wird, und man kann im Wald spazierengehen (oder –reiten)... ja, wir kommen wieder hier her, wenn der blöde Winter weg ist.

Wir steuerten den so genannten Turtle Rock an, schauten uns auch hier einmal um (die Dame stieg nicht aus, sie hat das Auto heute nur zum Essen verlassen), und dann ging es auch schon wieder Richtung Ulan Bator.


Irgendwie erschöpft, bin ich eingeschlafen und habe den gesamten Rückweg verschlafen. Aber es gab auch nichts zu sehen außer mittlerweile extremes Schneegestöber.

Samstag, 13. März 2010

Eine Lektion in Sachen Hygiene

Da die Sache mit dem extrem wenig essen schon wieder – äh - gegessen ist und ich ordentlich zuschlage, aber die Prophezeiung des Doktors betreffs meiner baldigen radikalen Gewichtsabnahme nicht gefährden möchte, war ich heute mit Uyanga im Schwimmbad.

Als ich in der Umkleide grade meinen schicken Tchibo-Badeanzug angezogen hatte, sagt Uyanga: Nein, noch nicht, wir müssen erst duschen.
Also habe ich mich wieder ausgezogen und brav unter der Dusche von oben bis unten nass gemacht und abgerubbelt.
Darf ich jetzt meinen Badeanzug anziehen?
Nein, erst Haare waschen.
Also habe ich mir brav die Haare gewaschen (die danach natürlich unter eine Badekappe geklemmt wurden).
Darf ich jetzt meinen Badeanzug anziehen?
Nein, erst noch richtig waschen!
Sagt es und wäscht sich, dass der Schaum nur so in alle Richtungen spritzt.
Danach durfte ich dann endlich meinen Badeanzug anziehen.

Und wie wir so in der uns zugewiesenen Bahn herumschwimmen und ich mich noch über die Disziplin der Mongolen wundere, die sich vor dem Baden allesamt noch die letzte lockere Hautschuppe abschrubben, um ja nicht das Wasser zu verunreinigen – beobachte ich entsetzt, wie die Leute inklusive Uyanga regelmäßig an den Beckenrand schwimmen, um mal so richtig schön gepflegt ins Randgitter zu rotzen.

Freitag, 12. März 2010

Uni, Kino, Straßenverkehr

Schon wieder ist eine Woche rum. Diesmal war sie mehr von Uni als von Otgoo geprägt, was daran liegt, dass er anscheinend auch mal arbeiten muss und ich seit Dienstag nichts von ihm gehört habe. Das ist aber nicht so schlimm, so konnte ich auch mal wieder Jobtexte schreiben, meine Unisachen vorbereiten, durch die Straßen streifen und mal wieder gepflegt nichts tun.

In die Uni werde ich hier einfach reingeschmissen und fertig. Ich war bei jedem Kurs einmal mit der eigentlichen Lehrkraft dabei und habe dann die nächste Stunde schon ganz alleine gemacht, ohne viel Palaver, ohne Aufsicht, ohne große Vorgaben. Ich soll ja vor allem meinen Muttersprachlerbonus einsetzen und die Studenten viel zum reden bringen, und das habe ich bisher auch ganz gut hingekriegt, und es macht echt viel Spaß. Meine Stunden sind auch sehr angenehm verteilt; bis auf dienstags, wo noch der bezahlte TestDAF-Sonderkurs dazukommt, habe ich jeden Tag eine Doppelstunde, und freitags frei.

Der TestDAF-Kurs läuft aber auch nur im März. Das heißt, danach habe ich wieder viel mehr Zeit. Aber gestern hat sich möglicherweise schon wieder eine neue Möglichkeit aufgetan noch andere Erfahrungen zu sammeln. Alle zwei Wochen ist hier deutscher Kinoabend, veranstaltet von den insgesamt 3 (!) DAAD-Lektoren hier in Ulan Bator. Gestern gab's Tatort. Zu diesem Anlass kommen auch viele andere Deutsche, die hier irgendwas machen, aus ihren Höhlen, und so konnte ich deutsche Lektoren, Zivis, Umweltprofessoren sowie eine Dame vom ZfA, der Zentralstelle für Auslandsschulwesen, kennen lernen. Die Leute von der ZfA sind unter anderem in der Welt unterwegs und kümmern sich um den Deutschunterricht an ausländischen Schulen, d.h. sie „prüfen“ die Qualität und werben für Deutsch, ja, und so weiter halt. Und diese Frau hat mich dann im Gespräch gefragt, ob ich nicht auch Interesse hätte, den Deutschunterricht in den Schulen zu besuchen, und ob ich das auch gerne außerhalb von Ulan Bator machen würde.
Ja!!!!!
Also, noch ist das alles nur eine Idee, aber wenn’s klappt und die Schulen mich da überhaupt haben wollen, könnte ich im April für eine Woche, oder für wie lange ich eben aus der Uni abhauen kann, nach Dachan fahren, 240km nördlich von hier, und da an einer Schule zu Gast sein, den Deutschunterricht begleiten und ein bisschen selber machen. Ach wie wunderbar.



Einige Bemerkungen noch zum Verkehr.

Ich habe schon länger den Verdacht, dass ich vielleicht im Straßenverkehr sterben werde. Das ist eine vage Vermutung, die in mir schlummert. Ich hoffe nicht, dass es ausgerechnet hier passiert, aber die Chancen stehen nicht schlecht. Die Mongolen fahren wie die Irren, es ist unglaublich, italienische Großstädte sind die reinsten Kinderspielplätze dagegen. Besonders an den Kreuzungen ist es ziemlich schwierig, unverletzt über die Straße zu kommen. Es gibt zwar Fußgängerampeln, aber es gibt auch immer Abbieger, und die treten einfach aufs Gas, ohne Rücksicht auf Verluste. Ich habe schon gesehen, wie jemand angefahren wurde. Da wurde dann nicht mal ausgestiegen.

Ich versuche immer, mit einem größeren Pulk Mongolen über die Straße zu kommen, und positioniere mich so, dass im Zweifelsfall erst die anderen überfahren werden. Mit dieser Strategie klappt es bisher ganz gut. Aber nicht immer möchte grade auch jemand anderes über dieselbe Kreuzung wie ich, und ab und zu muss ich mich alleine auf die Straße wagen.


Und wo wir schon beim Thema Straßenverkehr sind, noch ein Wort zum Thema Taxi. Die Theorie, dass jedes Auto ein Taxi ist, hat sich schon mehrmals bestätigt. Mit Uyanga bin ich schon zwei, drei Mal gefahren, sogar morgens zur Uni. Man winkt einfach, und spätestens das übernächste Auto hält an. Der ganze Spaß kostet ungefähr 25 Cent pro Kilometer, und immerhin muss man dann auch nicht zu Fuß über die Kreuzung.

Otgoo sagte: Du darfst nicht nach 22 Uhr alleine auf die Straße, aber Taxifahren ist sicher.

Die Deutschen (die ja zum größten Teil schon ein paar Jahre hier sind) sagten gestern Abend: Zu Fuß nach Hause gehen ist kein Problem (bezogen auf den Ort, wo ich wohne), aber beim Taxi fahren sollte man vorsichtig sein.

Es gibt anscheinend sogar eine Organisation „Safer Taxi“ (oder: „Save a Taxi“!?), wo man Mitglied werden kann. Dann kann man, wenn man ein Taxi braucht, dort anrufen, und sie schicken ein garantiert sicheres Taxi. Der Clou daran ist, dass man dann nämlich nicht im Auto bezahlen muss, sondern man „lädt“ bei der Organisation ein Guthaben auf, und jede Taxifahrt wird dann davon abgezogen. Man muss also nicht den Haufen Scheine aus der Tasche ziehen und damit vor dem Fahrer rumwedeln. Ich werde mir das mal überlegen, das scheint mir keine schlechte Investition zu sein.


Und zum Abschluss noch etwas anderes zum Thema Verkehr. Sowas gibt es hier nämlich auch.

Mittwoch, 10. März 2010

Chefarztbehandlung. Ein Selbstversuch

Ein Foto meiner ersten Schröpfbehandlung habt ihr ja schon gesehen.
Es folgt: Ein Bericht über die komplette, 5 Tage dauernde Behandlung. Denn zwischen Uni, Jurtenvierteln, Lehrstuhlfeiern und Przwalski-Jagd bin ich auch jeden Tag zum Arzt gegangen, habe mich durchwalken, auswringen und an den Ohren ziehen lassen, habe erfahren, dass ich eigentlich ganz gesund bin und wieviele Kinder ich bekommen werde.

Am ersten Tag war ich so überrumpelt und erstaunt über die ganze Prozedur, dass ich alles haarklein aufgeschrieben habe, und so habe ich dann die nächsten 5 Tage weitergemacht. Ihr lest also einen ziemlichen Roman, aber so erfahrt ihr zumindest, wie es so abgeht in der fernöstlichen Heilkunst, bei dem berühmten mongolischen Arzt, der jeden Sonntagmittag eine Fernsehsendung hat. Natürlich bei Otgoos Sender.

Viel Spaß beim Lesen.


4. März
Wir fahren an den Jurtenvierteln vorbei, biegen zwischen mehreren Hochhäuser (Plattenbauten) ein und parken auf einem nicht asphaltierten, steinigen und staubigen Stück Bürgersteig. Wir sind unterwegs zu Sosorbaram Khurelbaatar. Otgoo hat mir schon viel von ihm erzählt, ich höre zu mit interessierter Miene, bleibe aber ziemlich skeptisch. Beim ersten Mal hat Otgoo gesagt, dieser Arzt heilt auch Aids durch Handauflegen. Vor allem macht er aber „Knochenmassage“ und hypnotisiert, und so heilt er alle Krankheiten, die er vorher durch Messen des Pulses herausgefunden hat. Otgoo hat eine Zeitschrift auf Deutsch herausgegeben, in der neben den Artikeln, die ich schon aus dem Merian kenne, mongolische Persönlichkeiten abgebildet und einige Interviews abgedruckt sind. Die Rektorin der Privatuni zum Beispiel, wir haben sie schon besucht. Und auch ein Bild von diesem Arzt gibt es.

Darunter steht, er ist Magister der Medizin, Professor der Hypnostik, Dr. der östlichen Medizin und Mitglied der Hypnostik-Klinik der USA. Otgoo sagt, er hat zwei Krankenhäuser, wir besuchen ihn aber in seiner Praxis. Die ist hier, zwischen diesen Hochhäusern, hinter einer unscheinbaren Metalltür. Otgoo geht vor, ich folge ihm, wir spazieren einfach rein in sein Büro, ohne irgendjemanden zu fragen, ohne zu klopfen. Aber wir sind anscheinend angemeldet. Drinnen sitzt eine Mutter mit ihrer kleinen Tochter, wir sind einfach reingeplatzt, aber niemanden scheint es zu stören. Wir müssen noch kurz warten, machen es uns auf dem Sofa bequem. Die Garderobe ist für andere, wir legen hier ab. Ich kann mich kurz umsehen. Das Büro von einem Arzt, der zwei Krankenhäuser „hat“ (was auch immer das konkret heißt) und der berühmt in der ganzen Mongolei ist, habe ich mir anders vorgestellt. Doch er hat seine Gabe von Natur aus, sie ist ihm quasi angeboren. Vielleicht legt man da keinen Wert auf Äußerlichkeiten. Ich frage Otgoo, ob er eine Art Schamane ist; auf einem Schrank in der Ecke liegt irgendein Federschmuck-Dings, das in meiner Vorstellung gut dazu passen würde. Aber so ganz stimmt das wohl nicht. Auf dem Schreibtisch steht ein kleiner Bierhumpen aus dem Hofbräuhaus München. Daneben eine Wodkaflasche, ¾-leer, und ein kleines Schnapsglas. Otgoo macht die Tür auf, steckt den Kopf durch und „bestellt“ uns einen Tee. Dann bin ich dran. Otgoo übersetzt, der Arzt kann kein Englisch.

Ich sitze ihm gegenüber an seinem Schreibtisch, muss die Ellenbogen aufstützen und er fühlt an beiden Handgelenken meinen Puls. Oder, vielleicht fühlt er auch einfach in meinen Energiekreislauf hinein, wie Pulsmessen sieht das eigentlich nicht aus. Dann kommt er um den Schreibtisch herum und massiert meine Schultern, das tut ganz schön weh.
Auf dem Weg hierher hat Otgoo mir gesagt, dass er genau das tun würde. Ich wollte wissen, ob ich auch etwas konkretes fragen darf. Heute nacht hatte ich schon wieder so Bauchkrämpfe, die ich immer öfter bekomme, ohne dass ich so ganz verstehe, woher. Wer Aids heilen kann, kann vielleicht auch Bauchkrämpfe erklären. Otgoo hat ihn schon danach gefragt. Der Arzt fragt, ob ich oft Kopfschmerzen habe, ob ich starke Regelschmerzen habe. Nein. Die erste grobe Antwort ist: meine linke Seite ist ungleich, daher kommen auch die Bauchschmerzen. Ich denke an mein Geburtsheftchen, in dem steht: „asymmetrische Pobacken“, und daran, dass meine eine Schulter tatsächlich immer ein bisschen höher hängt als die andere. Ich weiß aber nicht mehr, welche. Ich bin also wirklich ein bisschen schief - aber sind wir das nicht alle, irgendwie?

Ich hatte erwartet, hier endet unser Besuch. Doch Otgoo sagt (sinngemäß): Mit 5 Behandlungen würde ich wieder grade werden. Wir können gleich anfangen. Und es ist natürlich kostenlos.
Ich bin ein bisschen überrumpelt und kann mich gar nicht dagegen wehren, dass ich ins Behandlungszimmer gebracht werde. Alles kommt ein wenig plötzlich, damit habe ich nicht gerechnet. Otgoo beruhigt mich, wie immer schon bevor ich überhaupt irgendetwas sagen kann. Darin ist er ein Meister, er ahnt jedes Unbehagen voraus, dass ich haben könnte. Keine Angst, ich soll mich einfach entspannen. Ich bin eher verwundert, was hier mit mir passiert, als irgendwie verängstigt. Und ich denke, komisch, was man alles mit sich machen lässt, ohne sich zu wehren. Aber dann denke ich auch: Wieso sollte ich mich eigentlich wehren wollen. Ein Meister der fernöstlichen Heilkunst wird persönlich und kostenlos an mir Hand anlegen, damit meine Energien wieder fließen; ich sollte mich glücklich schätzen. Enjoy!
Denke das und beobachte, wie einem Patienten auf der gegenüberliegenden Seite des Raumes 10 heiße Glaskolben auf den Rücken gepflanzt werden. Schröpfen nennt man das, so weiß ich inzwischen, und auch das steht mir bevor.

Doch zuerst werde ich kräftig durchgeknetet und gesundgeknackt, und zwar vom Arzt persönlich. Die anderen Patienten müssen mit Angestellten vorlieb nehmen. Drei Liegen befinden sich in der Mitte des Raumes, Privatsphäre bei der Behandlung gibt es nicht, in der hinteren Ecke macht man seinen Rücken frei, alle können zusehen. Aber es erscheint auch ganz normal. Wäre ich allein in einem Behandlungsraum gewesen, wäre mir das sicher noch seltsamer vorgekommen.

Der Arzt kommt, zuerst ist mein Kopf dran. Ich muss mich auf einen Hocker vor ihm setzen und er drückt meine Schläfen. Ich habe das Gefühl, er will seine Finger in mein Gehirn bohren, und noch dazu scheint es, als hat er es bald geschafft. Wie stabil ist so ein Schädel? Das tut ganz schön weh. „Schmerz“, sagt er, „Schmerz, Schmerz“, anscheinend kann er fühlen, wann es weh tut, und später wird Otgoo mir sagen, dass mein Blut (oder meine Energien?) nicht so schnell zu fließen scheint, wie es sollte. Dann drückt er meinen Rücken ganz nah an seinen weichen, warmen, dicken Bauch und sagt immerzu: „Relax! Relax!“ Ich gebe mir Mühe. Er massiert meine Schultern, auch das tut wirklich weh, Knochenmassage ist durchaus das richtige Wort. Noch einmal haucht es „Relax!“ in mein Ohr, und dann renkt er mir irgendwas wieder ein, oder aus, auf jeden Fall knackt es mehrmals und unglaublich laut. Andere Seite. Und dann, ab auf die Liege. Er drückt wieder meine Schultern und rechts und links der Wirbelsäule; einmal zucke ich richtig zusammen, es tut wirklich schlimm weh. Er sagt etwas, Otgoo übersetzt: „Wenn es hier weh tut, bekommt die Person Probleme mit Übergewicht.“ „Oh, Scheiße!!“, entfährt es mir.

Dann geht es weiter, über Po und Beine bis zu den Füßen. Ich liege in Jeans und T-Shirt hier, es ist ok, kein komisches Gefühl oder so. Meine Beine werden weit umgeknickt, und dann meine Füße. Er klappt sie einfach zusammen, als ob es Ballerinas wären, und da knackt jeder einzelne Zeh. Ich muss lachen. Zurück zum Rücken, auch hier lässt er es mehrmals laut knacken. Dann rollt er mich irgendwie auf die Seite, drückt hier und zieht da, und man kann es schon wieder hören, knackknackknackknack, wie mehrere Knochen nacheinander in eine –hoffentlich bessere – Position verschoben werden.
Ich soll aufstehen. Er zieht an meinen Fingern, und dann reißt er sogar ganz schön doll an meinen Ohren, selbst hier knackt es. Danach zieht er mich noch ordentlich an den Haaren, und dann ist die Knochenmassage vorbei.

Jetzt bin ich dran mit Glasdingern auf den Rücken pappen. Ich lege mich auf die Liege und ziehe mein T-Shirt hoch, eine Mitarbeiterin kommt mit den Glaskolben. Ich habe das vorhin von weitem bei einem anderen Patienten beobachtet. Der Glaskolben wird über eine Kerze gehalten, wahrscheinlich ist irgendein Gas drin oder so; jedenfalls brennt eine blaue Flamme in dem Kolben, noch kurz bevor er auf den Rücken gesetzt wird. Anschließend zieht sich die Haut nach innen in den Kolben, ich nehme an, ein Vakuum entsteht, wenn die warme Luft darin abkühlt.

Sie setzt mir die ersten Kolben auf, es fühlt sich ein bisschen an, als möchte eine große Nacktschnecke mit einem runden Maul ganz langsam ein Stück von meinem Rückenspeck in sich reinfressen. Nicht unangenehm, anfangs.
Als sie etwa beim vierten Kolben ist, sagt Otgoo: Jetzt darfst du 5 Tage nicht duschen. Guter Witz, ich lache, aber er sagt: Die Löcher in deiner Haut sind jetzt so offen. Ich frage, ob das ernst gemeint war, er sagt ja. Naja, egal. Bevor ich die Glaskolben aufgesetzt bekam, wurde meine Haut mit einem Deoroller abgerieben. Das muss dann halt jetzt 5 Tage reichen ;)

Mit 10 Glaskolben auf dem Rücken und einer Decke darüber bleibe ich 10 Minuten liegen. Dann werden die Kolben abgemacht, mittlerweile ist es recht unangenehm. Ich fühle mich ein bisschen wie ausgepeitscht. Bleib so liegen, jetzt macht sie noch was mit Feuer, sagt Otgoo. Es wird sehr warm am Rücken, aus den Augenwinkel habe ich gesehen, dass die Frau mit so etwas wie einer Kerze herumgefuhrwerkt hat. Jetzt bitte ich ihn, ein Foto zu machen, ich will doch wenigstens später sehen, was da mit mir passiert. Sie hat eine Art riesiges Räucherstäbchen angezündet und ist damit über meinen unteren Rücken gefahren, mit einem Zentimeter Abstand. Darin brennen Heilkräuter. Das war sehr angenehm.


Wir gehen zurück ins Arztbüro. Schon wieder denke ich, jetzt sind wir fertig, schon wieder irre ich mich. Ich muss mich vor einen Sessel hinstellen, der Arzt stellt sich neben mich, eine Hand vor- und eine hinter mich, und schnurrt Relax, relax, relax – und drückt mich immer weiter nach hinten, gegen seine andere Hand, die immer weiter zurückweicht. Ich weiß nicht, ob ich mich einfach hinsetzen soll, meine Schuhe rutschen weg, ich lande eher verkrampft in dem Sessel. Mit geschlossenen Augen hält er mir noch eine Weile die Hand vor das Gesicht, das ist wohl das, was Otgoo mit „Distanz-Behandlung“ meinte; anscheinend „liest“ er grade noch einmal in meinem Körper.

Danach setze ich mich wieder an den Schreibtisch. Otgoo übersetzt; in der fernöstlichen Heilkunst gibt es sieben verschiedene Chakren, die im Körper fließen. Meine fließen anscheinend nicht so gut. Unter den Brüsten und am Bauch gibt es Probleme. Die kommen aus dem Magen. Und ob ich manchmal Fußschmerzen habe.

Jetzt bin ich doch ein wenig verblüfft, denn mein rechter Fuß tut mir wirklich manchmal ziemlich weh, ich rolle falsch ab, und ich habe schon öfter gedacht, ich muss da irgendwann was machen lassen. Ich erzähle meine Fußkrankheitsgeschichte.

Außer dem mit dem Magen und mit den Füßen bescheinigt mir der Arzt, dass ich ziemlich gesund bin. Ich bin zufrieden, das entspricht meiner eigenen Einschätzung. Und das andere kriegen wir ja mit den insgesamt fünf Behandlungen hin, ich soll jetzt jeden Tag kommen, ohne Pause, und es klingt, als wäre ich danach für immer von allem geheilt, was ich meinem Körper an bösen Dingen schlummern könnte.

Ich frage noch einmal nach der Sache mit dem Übergewicht, das will ich doch nun genauer wissen. Da holt der Arzt ein Buch heraus und zeigt eine Grafik von einer Wirbelsäule; alle einzelnen Wirbel sind darauf mit bestimmten Organen verbunden, und Otgoo übersetzt: in der fernöstliche Heilkunst geht man davon aus, dass alle Krankheiten letztendlich aus dem Rückenmark kommen und daher, dass die Nerven (oder das Blut, oder einfach die Energien...) nicht richtig fließen. Aber das beheben wir ja jetzt, und auch meine Zunahme wird dann gestoppt sein.
Ob ich dann auch abnehme, was ich jetzt schon zuviel wiege?
Der Arzt sagt, ich werde ganz viel abnehmen.
Halleluja!

Wie ich dort am Schreibtisch sitze, muss ich mir sehr das Lachen verkneifen, ich weiß gar nicht, wieso. Es kommt mir alles so surreal vor. Aber ich lasse mich gerne darauf ein; Otgoo wird mich die nächsten 4 Tage hier vorbeibringen, dann wiederholt sich die ganze Prozedur.

Wir fahren. Mein Rücken fühlt sich heiß an.

Warum ich diese Behandlung überhaupt kostenlos bekomme, frage ich Otgoo. Er betont mehrmals, dass die beiden gute Freunde seien, auch für ihn managt er Fernsehsendungen und alles mögliche andere, und er hat ihm gesagt: Du musst den Ausländern zeigen, was du machst.
Später im Auto sagt er auch, es sei sowieso eine gute Werbung, wenn andere Patienten sehen, dass auch eine Ausländerin hier in der Mongolei zu einer fernöstlichen Behandlung geht. Die denken, die Europäer haben das Nonplusultra an Medizin; und wenn sie dann sehen, selbst die kommen hier her zu diesem Arzt, ist das eine super Werbung. Otgoo, dieser Fuchs.

Auch jetzt noch, fast 4 Stunden danach, ist mein Rücken heiß. Und ich muss viele Dinge googlen. Knochenmassage, Chakren, fernöstliche Heilkunst, und den Namen Sosorbaram Khurelbaatar.



5. März
Ich steige ins Auto ein, und Otgoo sieht sofort, dass ich meine Haare gewaschen habe. Ja, gebe ich zu; aber nicht geduscht, nur kopfüber über den Badewannenrand gehalten. Ich soll das lieber nicht machen, das ist besser für die Behandlung. Das wusste ich nicht, aber 5 Tage nicht Haare waschen (plus 3 Tage seit der letzten Haarwäsche) wäre dann doch auch wirklich zu weit gegangen.

In der zweiten Behandlungsstunde gehen wir nicht erst ins Büro, sondern direkt ins Behandlungszimmer, und Otgoo geht den Arzt holen. Alarm, Alarm, die Deutsche ist da und natürlich als erstes dran. Ich kann immer hören, wenn Otgoo von mir redet, weil er dann irgendwas mit „German“ sagt, so heißt das nämlich auch auf mongolisch.
Heute tut die Schläfenmassage am Kopf viel weniger weg, dafür kann ich die Schultermassage kaum aushalten. Ich habe sowieso so eine Art Muskelkater, und der wird jetzt nochmal ordentlichst geknetet. Dann geht es wieder auf die Liege, auch hier tut es irgendwie fast noch mehr weh als gestern.

Bevor ich geschröpft werde, müssen erst frische Kolben geliefert werden, ich muss kurz warten und beobachte auf der Liege den Raum. Ein krasser Behandlungsraum. Der Fernseher läuft und ballert irgendwelchen stressigen Müll auf uns. Heute sind auch mehrere kleine Kinder da. Die finden die ganze Behandlung nicht so toll und weinen ganz erbärmlich. Irgendjemand rülpst die ganze Zeit sehr laut und ziemlich eklig, und außer mir hat auch niemand sein Handy ausgemacht. Ungeniert nimmt man hier Anrufe entgegen. Die zentrale Heilstätte für Alles stört sich nicht an solchen weltlichen Kinkerlitzchen. Otgoo macht Fotos.



Erst auf den Fotos sehe ich später, wie das mit dem Schröpfen hier funktioniert; ein brennendes Stück Zeitung wird in den Kolben getan und bleibt auch da, wenn sie aufgesetzt werden. Das hatte ich nicht bemerkt. Meine Google-Nachforschungen hatten ergeben, dass beim trockenen Schröpfen (bei dem kein Blut fließt) normalerweise Äther angezündet wird. Naja, es scheint auch so zu gehen. Außerdem habe ich riesige rote Striemen auf dem Rücken, die waren da heute morgen noch nicht. Das ist also das Resultat der Knochenmassage. Kein Wunder, dass das weh getan hat.
Ich kann mich nicht so richtig entscheiden, ob die Glaskolben auf dem Rücken ein angenehmes oder ein unangenehmes Gefühl verursachen. Irgendwie ist es – angenehm unangenehm.


Als ich fertig bin, gehen wir nochmal kurz ins Arztbüro. Statt Wodkaflasche steht heute ein qualmender Aschenbecher auf dem Schreibtisch. Es folgt das Handauflegen im Stehen, bei dem ich gestern in den Sessel gefallen bin. Heute schaffe ich es, stehen zu bleiben, auch als ich nach hinten gekippt werde. Dann kriege ich ein OK-Zeichen vom Arzt, meinen Chakren geht es heute schon besser. Danke und bis morgen.


6. März
Die dritte Behandlung beim Doktor steht an. Seit gestern knackt mein Nacken, wenn ich den Kopf drehe. Ich weiß nicht, ob das ein gutes oder ein schlechtes Zeichen ist, oder ob es überhaupt ein Zeichen ist. Aber es irritiert mich, ich hoffe, dass es nach der Behandlung weg ist.

Auf der Fahrt sprechen wir über den geplanten Ausflug für morgen, zu den Przewalskis. Otgoos Freundin wird mitkommen sowie noch zwei Männer, ich nehme an Kameramänner. Wir sollen anfangen mit dem Dokumentargefilme. Otgoo redet begeistert davon, dass sie erstmal einen Dokumentarfilm für den mongolischen Sender machen werden. Über mich. Sie filmen mich einfach, ich soll einfach sagen was ich sehe und wie ich mich dabei fühle, und dann schneiden sie was daraus zurecht. Ohne Übersetzung. 40 Minuten Doku über mich, wie ich Pferde anschauen gehe; ich glaube es erst, wenn ich es wirklich im Fernsehen sehe, aber mittlerweile fürchte ich, dass alles geschehen könnte.

Dann sitze ich wieder auf dem Hocker, und der Arzt drückt mich an sich. Es ist wirklich keine schöne Behandlung. Die Schultern tun weniger weh als die letzten Male, aber dann drückt er auf einem fiesen Punkt im Nacken herum, und ich möchte am liebsten aufstehen und weggehen. Dabei unterhält er sich mit Otgoo, auch über mich („German“), aber ich bekomme keine Übersetzung. Mein Kopf liegt eingeklemmt in seinem Arm, relax relax, das will mir aber nicht richtig gelingen. Er ruckelt ihn zurecht, es knackt laut, und ich denke, der kennt bestimmt auch die richtigen Moves, um mir im Vorbeigehen das Genick zu brechen. Ob das wohl auch manchmal aus Versehen passiert? Selbst beim Zahnarzt meines Vertrauens fühle ich mich immer seltsam wohl, auch dann, wenn ich mit offenem Mund auf seinem Stuhl liege, aber hier bleibt es auch beim dritten Mal eher unheimlich, und ich bin froh, als ich mich auf die Liege legen soll.

Auf der Liege geht es heute besser, die Massage ist nicht mehr ganz so schmerzhaft. Aber am Ende reißt er wieder an meinen Ohren, und das tut wirklich weh.

Bevor es mit den Gläsern weitergeht, muss ich warten. Ich sitze auf einer Bank direkt neben der Liege, der Arzt massiert eine andere Patientin. Der tut das alles unglaublich weh, sie jammert die ganze Zeit. Der Arzt unterhält sich währenddessen mit Otgoo über mich. Er sagt, er kann eine Veränderung in meinem Gesicht sehen. Ich habe schon abgenommen. Wir haben uns vorgestern kennen gelernt.

Die Behandlung darf möglichst nicht unterbrochen werden, deshalb kommen wir auch morgen, bevor wir zu den Wildpferden fahren. Otgoo hat die fabelhafte Idee, dass er dann morgen auch gleich meine ganze Behandlung filmen kann. Ist das OK? Jetzt ziehe ich die Bremse, das will ich wirklich nicht. Lieber nicht, sage ich und fühle mich wie ein kleines Versuchskaninchen, dessen Reaktionen getestet und dokumentiert werden sollen.

Dann ist eine Liege frei, ich lege mich hin. An meinem Fußende sitzt jemand und wartet auf seine eigene Behandlung, das Zimmer ist heute noch voller als sonst. Die Frau, die mir die Gläser aufsetzt, ist seit drei Tagen dieselbe, bei ihr fühle ich mich sicher, auch wenn sie kein Wort Deutsch oder Englisch kann und eigentlich nie etwas zu mir sagt. Eine zweite Person setzt sich auf das Fußende meiner Liege, er oder sie sitzt halb auf meinem Fuß.

Als ich fertig bin und zum wartenden Otgoo zurückkomme, sagt er, er kann auch nur eine CD für mich machen, ohne Fernsehen, nicht für die Dokumentation. Als Erinnerung für mich. Aber ich möchte trotzdem nicht. Und dass ich das ganze hier vergesse, ist sowieso ausgeschlossen.

Danach folgt wieder der obligatorische Bürobesuch, bei dem ich mit geschlossenen Augen gegen die Hand des Doktors lehnen muss. „Very good“ lautet das heutige Urteil, und er wiederholt, was er vorhin schon gesagt hat: Ich habe schon abgenommen, er kann es in meinem Gesicht sehen. Das stimmt vielleicht sogar, mir kommt es auch so vor. Allerdings esse ich extrem wenig, seit ich hier bin. Stressbedingte Appetitlosigkeit lautet meine Selbstdiagnose, und ich sehe durchaus Zusammenhänge zwischen nicht essen und abnehmen.

Wir fahren nach Hause. Heute mit dem Geländewagen vom Arzt, einem riesigen Toyota Landcruiser. Er hat Otgoo die Schlüssel gegeben, weil er nicht möchte, dass das Auto bei den Temperaturen lange draußen herumsteht. Das sind wohl Gefallen unter Freunden.




7. März, 4. Behandlung
Heute ist Sonntag, bekanntlich ist das kein Grund für Ärzte, nicht zu arbeiten. Vor allem in einem so dringenden Fall wie meinem.
Uyangas Mutter war die letzten Tage krank, sie hatte starke Halsschmerzen und es ging ihr nicht gut. Otgoo erzählt, der Arzt hat gestern einen Hausbesuch gemacht (ich war nicht zu Hause). Er hat ihr nur ein paar Tropfen Blut vom Ohr abgenommen, und jetzt ist sie gesund. Komisch, oder!?? Das ist wie Magie!

Heute gibt es keine Schröpfgläser für mich, damit machen wir jetzt Pause. Nur Massage. Während ich gestern bei der Schulter- und Nackenmassage am liebsten weggelaufen wäre, weil es so weh tat und ich mir so ausgeliefert vorkam, ist es heute ganz ok. Angenehm ist was anderes, aber ich kann es gut aushalten, ein schmerzverzerrtes Gesicht bleibt heute zum ersten Mal aus. Auch auf der Liege, als Rücken und Beine dran sind, ist es ok. Im Arztbüro bekomme ich heute russische Bonbons und eine Tafel Schokolade geschenkt, und der Arzt erkundigt sich, wo ich herkomme. Er selbst war schon mal 4 Wochen in Nürnberg und fand es schrecklich langweilig. Er zeigt auf ein Gipsskelett, das im Raum steht. Auf den Kollegen musste er damals drei Wochen warten.

Wir steigen wieder ins Auto ein und starten unseren Steppentrip. Otgoo sagt, das wir morgen zur fünften Behandlung gehen und dann warten wir 10 Tage oder zwei Wochen, und dann machen wir noch fünf Behandlungen.
Ich kann noch mich nicht so richtig darüber freuen.



8. März
Heute früh war ich zur (vorerst) letzten Knochenmassage-Behandlung, Schröpfen fiel wieder aus. Es waren mindestens 40 Personen in dem Raum, der so groß ist wie ein Schulzimmer. Ich habe gezählt.

Bis auf die Übergewichts-Stelle am Rücken (...) tut das Massieren nicht mehr schrecklich weh, extrem unangenehm bleiben das Fußumknicken und das Ohrenreißen. Ich bin aber, so der Doktor, ganz fit, man merkt, dass ich Sport mache, und vor allem mein Rücken knackt immer in so vielen verschiedenen Tönen, dass es klingt als springen 15 Wirbel gleichzeitig in Position. Das passiert, wenn ich in einer Art stabilen Seitenlage liege. Dann zieht er meine Schulter nach vorne und drückt meine Hüfte nach hinten, er wringt mich quasi einmal ordentlich aus, und das Geräusch ist wirklich krass.

Im Büro, bei der Chakren-Abtastung, kriege ich heute eine konkrete Zukunftsprognose. Er sagt, er hat das Gefühl, ich werde drei Kinder bekommen. Zwei Jungen und ein Mädchen. Das erste kommt in zwei Jahren. Und er möchte zu meiner Hochzeit eingeladen werden. Kein Problem, sage ich.
Vorher werden wir uns aber wahrscheinlich sowieso bald wiedersehen, denn nach 10 Tagen soll es weitergehen mit noch einmal 5 Behandlungen.




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Ja, so war das alles.
Und wie fühle ich mich heute? Das hat Otgoo jeden Tag gefragt. Außer dass am ersten Tag mein Rücken extrem warm war und mein Nacken bis heute knackt, kann ich noch nicht so richtig was feststellen. Mein Rücken ist sicher entspannter als vorher. Aber mehr fließende Energien, die Fähigkeit, plötzlich Bäume auszureißen oder irgendwas in der Art kann ich nicht beobachten.

Vielleicht klingt es manchmal, als mache ich mich sehr darüber lustig. Das will ich gar nicht. Ich glaube schon, dass da auch einiges dran ist, an solchen Heilmethoden - wenn ich das mit dem Aids heilen auch stark anzweifeln möchte.
Aber wer weiß wofür es gut ist. Ein bisschen Chakren stärken kann nicht schaden. Und interkulturellere Erfahrungen kann ich wohl kaum machen. Ich werde also noch einmal 5 Tage hingehen.

Montag, 8. März 2010

Erster Ausflug in die Steppe

Heute ist Frauentag. Das ist hier ein richtiger Feiertag, inklusive Uni-frei. Ich habe heute morgen eine Rose und Schokolade von Undrakh bekommen. Schon die zweite, denn am Samstag gab es bereits eine Frauentagsfeier im Lehrstuhl. Die beiden männlichen Kollegen haben sich ganz schön ins Zeug gelegt, Kerzen, Schokolade, Kekse, Bier, Rosen und Entspannungs-Klassik aufgefahren und uns (5 Frauen, eine fehlte) Lieder zu unserer Lobpreisung gesungen. Danach sind wir in ein Restaurant gegangen und haben da weiter getrunken, Buuz gegessen und gefeiert. Das war sehr nett und witzig, ich konnte fast das ganze Kollegium auf einmal in einer schönen Atmosphäre kennenlernen und sofort merken, dass man sich hier nicht nur kollegial, sondern auch freundschaftlich sehr verbunden ist. Hat Spaß gemacht und ich glaube, es wird auch an der Uni eine sehr schöne, intensive und spannende und gleichzeitig entspannte Zeit folgen. Und Frauen ab und zu mal ordentlich zu verehren, fände ich auch in Deutschland angemessen. An dieser Stelle daher von mir an alle Frauen: Herzlichen Glückwunsch zum Frauentag.


Eigentlich wollten wir ja schon am Samstag zu den Przwalskis, aber wegen der Lehrstuhlfeier hat das nicht geklappt. Daher sind wir stattdessen erst Sonntag gefahren. Und es war so schön.

Wir waren zu fünft unterwegs; Uyanga, Otgoo, Otgoos Freundin und ein Nomade, dessen Familie in der Nähe der Przwalskis lebt und die wir dort besucht haben. Otgoos Freundin hatte die Fernsehkamera dabei, aber um es gleich voraus zu schicken: wir haben überhaupt keine Aufnahmen gemacht. Mir ist das ganz recht so.

Wir fahren nach Westen. Rechts neben uns fährt die transmongolische Eisenbahn Richtung Moskau. Eine schwarz rauchende Diesellok, irgendwie hoffe ich ja doch, dass ich nochmal mit dem Zug durch die Steppe fahre.
Kurz hinter Ulan Bator kommen wir durch die Fellankäufer-Straße. Hier stehen kleine Buden und größere Lagerhäuser an der Straße, hier sitzen die Händler, die Felle ankaufen und dann weiter verkaufen. Dementsprechend kamen uns viele LKWs entgegen, bis oben beladen mit Fellen aller Art; große Fellhaufen liegen auch an der Straße, sie sehen aus wie weggeschmissen, aber es sind die heutigen Ankäufe.

Ich weiß gar nicht, wo so viele Felle herkommen zu dieser Jahreszeit. Es ist ja nicht grade Schlachtzeit, sondern absolute Schonzeit für die Tiere, deren Felle sowieso grade nicht besonders schön sind. Und an der Straße liegen immer wieder auch tote Tiere. Zuerst sehe ich einen toten Hund, später Schafe, Ziegen, Kühe und auch Pferde. Manche liegen einzeln, manchmal liegen aber auch richtige Kadaverhaufen neben der Straße. Manchen Kühen wurde noch schnell das Fell abgehäutet. Einige Tiere sind angefressen, von Vögeln und von Hunden, aber das ist zur Zeit ein mühsames Fressgeschäft. Bei tagsüber -15°, nachts weit über -20° sind die Kadaver tiefgefroren. Wenn es dann taut, wird das ein Festessen für die Adler, sagt Otgoo.
Das Wetter war zuerst leider nicht so toll. Sehr windig, so dass das bisschen Schnee, was hier liegt, herumgeweht wird und die ganze Landschaft neblig erscheint. Später war es dann auch bedeckt.

Nach etwa 80 Kilometern biegen wir links ab auf die „Landstraße“. Das ist eine Piste, nur Reifenspuren verraten, dass hier manchmal jemand langfährt. Mit dem Geländewagen kommen wir aber gut vorwärts, 40 bis 50 fahren wir, auf der asphaltierten Straße sind wir etwa 60 bis 70 gefahren. Der Nomade weist uns den Weg, hier kann man sich nur schwer an irgendetwas orientieren. Auch auf der großen Straße gab es keine Straßenschilder, keine Wegweiser. Hinter uns liegt Ulan Bator, vor uns der Westen, das muss reichen. Hier in der Steppe muss man sich wirklich auskennen.
Wann immer ich etwas ansehen oder fotografieren möchte, hält Otgoo für mich an, ich kann aussteigen und Fotos machen. Da liegt ein abgehäuteter Kadaver, ich will mir das jetzt mal genauer ansehen. Die arme Kuh, es sieht so aus, als liegt sie hier höchstens seit einem Tag, das Fleisch ist noch ganz rot und leuchtet. Sie hat einen ziemlich dicken Bauch und war ansonsten ganz dünn. Vielleicht ist sie tragend.
Ein paar hundert Meter weiter liegt ein Haufen mit toten Schafen und Ziegen. Ich steige auch hier aus und trete fast auf etwas, was zuerst wie eine tote Katze aussieht. Es ist ein winziges braunes Ziegenbaby. Neben dem Haufen liegt eine gelbe Plastiktüte, darin: zwei kleine tote Zicklein. Eins der Schafe ist gehäutet.

Das klingt alles sehr traurig und brutal, aber in dem Moment war es irgendwie... normal. Es ist eiskalt, und dabei sind die Temperaturen schon milde im Vergleich zu den letzten Monaten. Die Nomaden sagen uns später, das war der kälteste Winter seit zehn Jahren.

Wir fahren weiter und kommen an einer großen Ziegenherde vorbei. Ein Nomade steht mit seinem Pferd dabei. Ich will aussteigen und ein Foto machen, es ist genau so ein Bild, wie ich es von typischen Fotos kenne. Wieso ist man immer erstaunt, wenn die Dinge tatsächlich genau aussehen wie auf Bildern? Otgoo kommt hinterher und fragt mich, ob ich mich auf das Pferd setzen möchte, ich bin ganz erstaunt, an so etwas hätte ich wirklich nicht gedacht. Das erscheint mir ein bisschen frech. Als Touristin rumrennen und staunend Fotos von Einheimischen machen, die zurückstaunen, ist ja schon irgendwie schräg. Mich einfach auf ihre Pferde zu setzen, das würde ich mich nie trauen zu fragen. Aber Otgoo hat schon gefragt und der auch irgendwie überrumpelt scheinende Nomade stimmt zu. Ich steige auf und falle fast vornüber, wo bei Medina ein Hals ist, ist hier ein Nichts von einem dünnen kurzen Hälschen. Die Steigbügel sind sehr kurz, der Sattel vom ersten Gefühl her eigentlich ganz bequem. Drei Fotos, danke, Auf Wiedersehen. Schon saß ich also auf meinem ersten Nomadenpferd.



Noch ein paar Minuten, und dann kommen wir bei der Familie an.

Ich weiß nicht, wie viele Menschen hier wohnen oder wie die Verwandtschaftsbeziehungen sind, wir werden auch nicht großartig vorgestellt. Wir werden in das gemauerte Häuschen gebeten. Hier gibt es eine Küche und einen Wohnraum, darin nehmen wir Platz. Wir sitzen auf dem Bett. Draußen stehen zwei Jurten, und es gibt eine Art kleinen Stall, eher ein Unterstand; ein Gehege für die Lämmer. Ich habe Gastgeschenke mitgebracht, Wodka und Süßigkeiten. Im Wohnraum spielen zwei kleine Jungs, sie beäugen uns ganz misstrauisch. Wir bekommen Tee. Die Familie entschuldigt sich; sie haben viele Tiere verloren, deshalb haben sie keine Milch. Normalerweise trinkt man den Tee in der Mongolei salzig und mit viel Milch, wenn man dann noch etwas Fleisch reinwirft, wird eine Suppe daraus. Die Milch fehlt, salzig ist es trotzdem. Dann werden Buuz für uns vorbereitet. Das ist das mongolische Nationalgericht, Hammelfleisch im Teig gedämpft. Das dauert eine Weile, deshalb gehen Uyanga und ich noch mal raus und schauen uns um.

Die Tiere sind momentan draußen in der Steppe und suchen Futter, nur die Lämmer sind im Gehege, und wir brechen in das typische Mädchengefiepse-beim-Anblick-niedlicher-Babytiere aus. Lockige Schaflämmchen kuscheln sich überall aneinander, drei oder vier Kälber stehen auch im Unterstand. Einige Lämmer sind erst ein paar Tage alt, ganz winzig, man sieht noch ihre Nabelschnur. Eins der Lämmer kommt an den Zaun und nuckelt an meinem Finger. Nur ein paar Meter weiter wird man an die harte Realität erinnert; hinter dem Haus liegt ein „Stapel“ gefrorener Lämmerleichen, und weiter unten liegen die Hunde und fressen an irgend etwas herum. Wir gehen ein Stück den Berg hoch. Überall in der Steppe findet man Steinhaufen, geschmückt mit blauen Bändern, den Hadag. Sie sind ein Himmelszeichen, heilig, und hier überall zu finden, es gibt fast nichts, was nicht mit einem Hadag geschmückt ist. Wir umrunden den Steinhaufen drei Mal und werfen bei jeder Runde einen Stein drauf. Ich glaube, das soll Reisenden Glück bringen.


Dann gehen wir wieder ins Haus, es ist wirklich kalt. Drinnen warten wir weiter auf die Buuz. Otgoo schläft, er ist einfach nach hinten um aufs Bett gekippt, seine Freundin zappt. In der Ecke steht ein kleiner Flachbildfernseher. Strom bekommen die Nomaden von einer kleinen Solaranlage.
Dann gibt es Essen. Eine Schüssel Buuz wird aufgetragen, mit Kartoffeln. Der Nomade, der uns seit Ulan Bator begleitet hat, kommt mit einer Platte Hammelfleisch und schneidet kleine Stücke davon ab, die er in die Buuz-Schüssel tut. Wir nehmen uns einfach daraus, was wir möchten. Und tun Curry-Ketchup drauf. Ganz schön fettig alles. Aber ich muss gar nicht besonders höflich tun, es schmeckt mir wirklich gut. Vegetarier hätten in diesem Land allerdings ein Problem. Die alte Nomadin, die uns schon mit Tee versorgt hat, gießt Wodka ein. Sie gießt immer dasselbe Glas voll und reicht es der Reihe nach herum. Man kann sich nicht wirklich wehren, und Otgoo sagt, es wird kalt werden, also trinke ich drei Wodka in 20 Minuten, und dann brechen wir auf, Przewalskis suchen. Uyanga amüsiert sich darüber, dass sie schuldlos betrunken ist.

Die Przwalskis leben im Hustai Nationalpark, einige Kilometer weiter. Am Parkeingang gibt es eine größere Station, hier stehen viele Jurten, und es gibt größere Backsteingebäude. Und ein großes Basketballfeld. Die Przwalskis werden wissenschaftlich-professionell genau beobachtet, ich nehme an, von hier aus. (Für alle, die es genauer wissen wollen: http://www.treemail.nl/takh/ auf Englisch, sehr informativ)
Ein Nomade treibt eine Pferdeherde, unser Nomade (dessen Namen ich gar nicht kenne) fragt ihn nach Przwalskis. Er sagt, dass es heute schwierig werden wird, welche zu sehen. Das Wetter ist noch schlechter als vorhin, ist es bedeckt und windig. Aber wir sollen es versuchen.


Wir fahren weiter in den Park hinein. Wir sehen viele Pferdeherden, aber das sind alles Hauspferde. Der Geländewagen klettert über die Piste, jetzt fahren wir natürlich sehr langsam; hier liegt auch viel mehr Schnee. Wir kommen an einer anderen kleinen Mini-Station vorbei und fragen auch dort, hier klingt die Antwort noch entmutigender; die Chancen stehen heute schlecht, wahrscheinlich sind die Przwalskis im Wald, und da können wir nicht hinfahren. Rechts über einem Berg fliegen riesige Vögel – Adler!! Aber zu weit weg für Fotos. Aber, unglaublich, Adler fliegen hier rum! Wir fahren weiter, und ich denke mir grade, dass es eigentlich überhaupt nicht schlimm ist, ob wir heute noch Wildpferde finden oder nicht. Es ist auch so ein toller Ausflug, wir cruisen mit dem Auto durch endlose Steppe, und ich habe schon so viele tolle Sachen gesehen heute.

Und dann sind sie plötzlich doch da. Links von uns, auf einem Berghang, sehen wir drei Przewalskis, weiter unten grast eine große Hauspferdeherde. Wir steigen aus und gehen zu Fuß, und jetzt freu ich mich doch wie verrückt, da sind sie!! Und auf einem verschwinden die Wolken, und die Sonne kommt raus. Ein Glückstag.




Die Przwalskis sind sehr scheu. Die Hauspferde bleiben unbeeindruckt und beachten uns gar nicht, aber die Wildpferde wittern ständig, passen auf und gucken rum. Man kann auch genau sehen, welches Tier der Herdenchef ist und die Wächterfunktion hat. Wir kommen nicht sehr nah an sie ran, aber es reicht doch. Es sind insgesamt sieben Tiere, ein Jährlingsfohlen ist dabei. Ich versuche, rechts von ihnen auf den Hügel zu laufen. Sie sehen sehr gut aus, finde ich; ich bin ziemlich sicher, dass sie irgendwie Extra-Futter bekommen, obwohl Otgoo das verneint. Aber ich habe die Homepage gelesen, da stand irgendwo, dass sie in harten Wintern etwas Heu bekommen. Und dieser Winter war sehr hart, aber die haben alle kugelrunde Hinterbacken.
Von rechts, also von meiner Seite kommen zwei Nomaden angaloppiert, und die Przwalskis verabschieden sich in die andere Richtung. Und schon sind sie weg. Wir konnten sie vielleicht zehn Minuten lang beobachten, aber das hat schon gereicht. Es war wirklich toll. Jetzt ist die Sonne da, die Landschaft sieht so schön aus.
Wir gehen langsam zum Auto zurück, ich gehe noch einmal näher an die Hauspferde heran. Die lassen sich auch nicht grade streicheln, aber sie flüchten auch nicht. Sie sind so dünn und eingefallen.


Dann fahren wir zurück Richtung Nomaden-Zuhause – und plötzlich sehen wir Hirsche! Mein Begeisterungsgequietsche bringt erstmal das ganze Auto zum Lachen, und dann steige ich schnell wieder aus. Ich weiß gar nicht, wie viele Hirsche es waren, mehr als zehn. Sie stehen links am Berghang, beobachten uns, einige laufen über die Piste nach rechts Richtung Berge; andere bleiben stehen oder laufen parallel zu uns am Berg entlang. Wir haben Riesen-Glück, sagt Otgoo; erst die Wildpferde, das Wetter schlägt um, jetzt die Hirsche, es fehlen nur noch Wölfe. Aber die sehen wir dann doch nicht mehr.

Wir fahren zurück zu den Nomaden, hier trinken wir noch Tee, bevor wir uns auf die Heimfahrt nach Ulan Bator machen. Die Schafe sind jetzt zurück, die Muttertiere wurden zu den kleinen ins Gehege gelassen, die anderen stehen draußen. Wir dürfen ins Gehege und Schafbabys auf den Arm nehmen. Danach treten wir in die Jurte ein. Zwei alte Nomaden leben hier, es ist der älteste Bruder von unserem Führer. Auch hier entschuldigen sie sich dafür, dass sie keine Milch haben; sie schämen sich, sagt Otgoo. Dann gibt es Suppe. Es ist eine fettige Brühe mit Hammelfleisch, darin schwimmen „Nudeln“ aus Mehlteig. Ich habe gar keinen Hunger, bin noch voller Buuz, und esse deshalb nur ein bisschen. Dann verabschieden wir uns; der Nomade bleibt hier, wir fahren nur zu viert in die Stadt zurück.




Das war also das erste Eintauchen in die richtig echte Mongolei. Ach, es war so schön. Wir wollen wiederkommen, wenn es wärmer ist. Wenn alles grün wird, ist es hier bestimmt noch tausend Mal schöner.
Mehr Fotos von dem ganzen Ausflug gibt es auf flickr.