Gestern war deutsche Bildungsmesse. Ein Ereignis, bei dem sich die mongolische Schüler- und Studentenschaft nebst näherer Verwandtschaft sechs Stunden lang über Deutschland, Germanistikstudienmöglichkeiten in der Mongolei, Studienmöglichkeiten in Deutschland sowie Finanzierungsmöglichkeiten und Stipendien aller Art informieren und kiloweise Prospekte sammeln konnte. Neben Unis und Schulen mit Deutschangebot waren auch alle möglichen Organisationen, die irgendwas mit Deutsch zu tun haben, dabei, und plötzlich sah ich überall europäische Gesichter und deutsche Freiwillige und stellte fest, dass es in Ulan Bator dreimal wöchentlich sogar ein deutsches Radio gibt. Die deutsch-mongolische Brücke, eine Alumni-Organisation für ehemalige in-Deutschland-studiert-oder-gearbeitet-Habende, hat den Großteil organisiert, und im Viertelstundentakt gab es Vorträge rund um alle Themen, vom DAAD bis zum Bericht einiger deutschunterrichtender Schulen über deren letzten Schüleraustausch. Ihr erinnert euch vielleicht, ich war auch gefragt worden, ob ich etwas beisteuern kann; es hatte sich dann aber herausgestellt, dass es eigentlich doch schon genug Vorträge gab, und so musste ich nichts sagen.
Allerdings konnte ich den Direktor einer Schule in Dachan kennenlernen, seines Zeichens einziger Deutschlehrer seiner Anstalt, und habe meinen kleinen Besuch dort quasi eingefädelt. Ich würde mich sehr freuen, er würde sich sehr freuen, sieht so aus, als fahr ich im April mal ne Woche hoch. Juchu!
Anschließend gab es einen Empfang in einem Restaurant mit Buffet und Getränken und Feierei. Spätesten dann, als die ehrenwerte Professorin meines Lehrstuhls mich am Handgelenk hinter sich herzog, während sie zu Ra-Ra-Rasputin eine wilde Polonaise anführte, bekam ich den richtigen Eindruck davon, wie die Mongolen feiern. Nämlich wild und ungeniert mit viel Alkohol. Alle mussten tanzen, es gab kein Entkommen; und zwar zu Boney M., Modern Talking und den üblichen Verdächtigen, die in so einem Fall auch dazu gehören. Ich habe leider vergeblich gewartet, dass Dschinghis Khan gespielt wird und die deutsch-mongolische Meute dann vollends ausflippt. Aber es hat auch so gereicht. Ich musste mit wildfremden Frauen und auch Männern tanzen, Visitenkarten und Internet-Sozialplattforms-Einladungen entgegennehmen und meinerseits zugeben, dass ich keine eigene Visitenkarte zum verteilen besitze. Und jetzt weiß ich nicht so richtig, ob ich übertrieben misstrauisch bin, wenn ich denke: diese gutaussehenden gegelten Typen, die mich da vorhin so semi-lasziv angetanzt haben, wollen doch bestimmt nicht nur ihr Brücken-Netzwerk ausbauen; oder ob ich übertrieben naiv bin, wenn ich denke: die freundlichen Herren von der Brücke, die darauf bestehen dass ich mich bei ihnen melde, tun doch bestimmt nur ihren Job.
Wahrscheinlich bin ich jetzt auch ne Portion Otgoo-geschädigt. Von dem bisher übrigens keine neuen Lebenszeichen. Gut so.
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