Sonntag, 28. März 2010

13 + 1

Seit zwei Wochen bin ich nun an der Uni Leipzig exmatrikuliert. Nach 13 Semestern hochoffiziell fertig! An dieser Stelle an mich selbst ein dreifaches: Hipp Hipp Hurra!
...und seit zwei Tagen bin ich nun aus taktischen Gründen wieder immatrikuliert, und zwar im schönen Greifswald.
Und heute bin ich schon seit 4 Wochen hier. Ach, die Zeit, die Zeit...
Immerhin bin ich euch ab heute wieder eine Stunde näher gekommen.

Im Moment bin ich ganz gut damit beschäftigt, meine Stunden vorzubereiten und meinen Texte-Job nicht zu vernachlässigen. 5 Kurse die Woche klingt vielleicht nicht so viel, aber wie schon gesagt, soll ich ja eigentlich nur Sprechübungen machen. Und sich für jede Stunde etwas einfallen zu lassen, wie man 90 Minuten sprechen hinkriegt – das kostet ganz schön Vorbereitungszeit.


Aber ab und zu erlebe ich auch was. Gestern zum Beispiel waren wir wieder schwimmen. Diesmal wurden wir sogar einer Taschenkontrolle unterzogen. Bevor wir in die Duschgemächer eingelassen wurden, mussten wir beweisen, dass wir auch wirklich Seife und Shampoo dabeihaben. Nicht, dass einer heimlich die Reinigungsprozedur ausfallen lässt....
Auch sonst ist das Schwimmen hier übrigens ziemlich reglementiert. Man bezahlt seinen Eintritt für eine bestimmte Zeit, nämlich für eine Stunde. Aber das bedeutet nicht, dass man dann „ab Bezahlung“ eine Stunde Zeit hat; sondern man kauft sich quasi einen Termin. 17:30 – 18:15 war das gestern. Da wir aber ungefähr 17:27 bezahlt haben und dann ja noch unsere Seife vorzeigen und uns ausziehen und reinigen mussten, waren wir erst um 17:45 im Wasser. Man schwimmt auch nicht irgendwo, sondern geht zu einem der drei anwesenden Bademeistern und zeigt seinen Bon her. Darauf hat die Kassiererin mit Kugelschreiber 17:30 geschrieben. Man hat somit bewiesen, dass man legal anwesend ist. Dann nimmt man zur Kenntnis, in welcher Bahn man schwimmen soll, und schwimmt bis 18:10, bis das erste Mal die Bademeistertrillerpfeife zum Aufbruch mahnt. Von der Decke tropft es, ich glaube das Dach ist undicht.
Falls man bis zum gekauften Schwimmtermin noch ein wenig Zeit hat, kann man sich die in der Vorhalle mit allen möglichen Aktivitäten vertreiben. Zum Beispiel mit Tischtennis, oder essen, oder Badeanzüge kaufen, oder auf dem Laufband laufen, oder von der Zuschauertribüne den Schwimmern zusehen. Oder: zum Friseur gehen. Waschen, schneiden, föhnen: 2,50 €!


Heute dann habe ich ein mongolisches Krankenhaus von innen gesehen. Uyangas Bruder Undrakh hat nämlich das Pech, seine Ferien dort verbringen zu müssen. Ich glaube es, ist eher eine Art dermatologische Klinik, jedenfalls stand das draußen dran. Er hat eine Allergie und Ausschlag an den Armen bekommen und ist seit Freitag für 10 Tage dort. Und heute bin ich mit Uyanga hingefahren, ihn besuchen, und ihm seine Ration Essen von Mama vorbeibringen. Ich glaube, wir haben uns ein bisschen heimlich auf die Station geschlichen, denn zuerst haben wir etwa 10 Minuten vor dem Stationseingang rumgestanden und rumgeguckt, und gewartet, aber niemand kam und niemand sprach mit uns. Ich glaube, wir durften da nicht mit Straßenschuhen rein, sondern hätten Plastik-Schuhüberzieher benutzen sollen; aber keiner brachte uns welche. Irgendwann sagte Uyanga, ich soll meine Jacke ausziehen, und dann taten wir als wäre nichts und spazierten einfach durch.

Wie ist so ein Krankenhauszimmer?
Es roch wie bei meinem Knochenbrecherarzt, ein bisschen muffig nach diesen kerzenartigen Räucherstäbchen mit Kräutern. Ich finde das immer ein bisschen eklig, wenn ich in einen Raum komme wo es so riecht, aber man gewöhnt sich sehr schnell dran. Und es ist ja anscheinend auch etwas, was böse Keime und Bakterien vertreiben soll. Im Zimmer standen 5 Holzbetten an den Wänden, es gab zwei kleine Nachttische im Raum, und sonst nichts. Kein Stuhl, kein Tisch, kein Schrank, kein Vorhang, keine medizinisch anmutenden Geräte oder irgendwas. Immerhin, die Wände waren blau und kindgerecht mit Walen und Robben bemalt. Aber die Fenster verdreckt und die inneren Fensterscheiben kaputtgeschmissen. Aussicht auf die Jurtenviertel, die direkt auf der anderen Straßenseite losgehen. Unter den Betten standen Plastik-Nachttöpfe. Und ich glaube, man muss sich hier seine Bettwäsche selber mitbringen.
Ich glaube, Undrakh findet es gar nicht so schlimm im Krankenhaus, der sah nicht besonders traurig aus und konnte gar nicht erwarten, dass wir wieder weg sind. Aber der ist auch 13 und hat wahrscheinlich ein paar Kumpels im Fernsehraum gefunden. Mit ihm im Raum waren zwei kleinere Kinder. Jemanden, der wie eine Krankenschwester aussieht, habe ich überhaupt nicht gesehen.
Wenn ich das richtig verstanden habe, bekommen die Patienten auch Essen im Krankenhaus; aber Undrakh kriegt trotzdem jeden Tag was Ordentliches von zuhause vorbeigebracht.

Übrigens möchte ich mal betonen, dass ich mich essenstechnisch ganz tapfer schlage. Ich habe bisher nur einmal verweigert. Das war in der Uni, als ich in einem Raum gelandet bin, in dem hier ansässige Kasachen an dem Tag ihre Kultur vorgestellt haben. Mit kasachischem Hochzeitskleid und kasachischer Babywiege, kasachischem Sofa mit kasachischen bestickten Decken und Teppichen, kasachischer Kleidung und – natürlich – kasachischem Essen. Kaum hatte ich den Raum betreten, wurde ich sanft aber bestimmt an der Hüfte gepackt und an einem Tisch platziert. Vor mir, in etwa 30 Zentimeter Entfernung, stand ein Schafskopf mit gebleckten Zähnen auf dem Tisch und blickte mich an. Gekocht mit Haut und Augen. Die Ohren waren schon ab und wurden, in kleine Stücke geschnitten, gerade zum Kosten herumgereicht. Das war das einzige Mal, dass ich wirklich nicht konnte.
Ansonsten esse ich, was ich kriege, seien es rote Bete oder Rinderleber, Hammelfleischfettränder, japanische Algen oder chinesische Morcheln.

Oh, noch etwas zum Thema Essen. Schon vor ein paar Wochen gab es ein Gespräch unter Lehrstuhlkollegen, Thema: wer sind denn eigentlich jetzt die Barbaren, wir oder die? Es wurde sich ausgetauscht über die deutsche Gewohnheit, rohes Fleisch in Form von Mett auf sein Brötchen zu schmieren. Das ist für die Mongolen anscheinend so unvorstellbar, wie für mich an einem gekochten Schafsöhrchen zu knabbern. Irgendwie verständlich, muss ich sagen.
Und noch etwas würden die Mongolen nicht machen: Babytiere essen. Kalbsleberwurst oder Lammrücken käme nicht in Frage. Die lieben ihre Tiere – und warten wenigstens, bis sie erwachsen sind mit dem Auffressen.


Oh – und noch etwas Unerwartetes ist heute passiert! Uyanga hat ihr gestohlenes Handy zurückbekommen. Anscheinend hat der freche Dieb es an die Mobilfunkfirma Mobicom verkauft, diese Hehlerbande. Dort war Uyanga heute mit ihrem Papa und hat sich Handys angeschaut, denn morgen hat sie Geburtstag. Und was passiert? Sie erkennt ihr altes Handy! Rennt nach Haus, durchwühlt ihre Bons, findet den richtigen und marschiert mit ihrem neuen alten Handy nach Hause. Das mussten sie ihr natürlich umsonst zurückgeben.

Es geschehen noch Zeichen und Wunder...

In diesem Sinne! Bald ist Ostern.

2 Kommentare:

  1. ina war fuer 3 monate in der mongolei und jezt schreibt sie,das in der mongolei fuer sie ganz schlecht war.du bist ein arschloch,INA

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